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Francisco Fernández-Carvajal Hablar con Dios

OSTERZEIT
2. WOCHE - FREITAG

13

DAS ZEUGNIS UNSERER OHNMACHT

Jesus und unsere Ohnmacht: Wir sind keine Macher.
Auch dort, wo es an Mitteln fehlt, ist Apostolat wirksam.
Treues Ausharren inmitten einer feindseligen Umgebung.

I. Das Evangelium der heutigen Messe berichtet, daß Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa ging. Wahrscheinlich wäre er mit seinen Jüngern gern allein gewesen. Aber eine große Menschenmenge folgte ihm: Kranke, die geheilt werden wollen, und Gesunde, die sein Wort hören wollen. Der Herr erbarmt sich aller: Er redete zu ihnen vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten, ergänzt Lukas.2

Mit der einsetzenden Abenddämmerung wächst die Unruhe der Jünger: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen, denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort. Doch Jesus hatte etwas anderes im Sinn; der Evangelist sagt uns, er wußte selbst, was er tun wollte; seine Frage an Philippus will die Jünger auf die Probe stellen, ihnen ihre Ohnmacht vor Augen führen: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? Allein fünftausend Männer waren dort versammelt. Philippus kann nur skeptisch antworten: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder auch nur ein kleines Stück bekommen soll.4

Fünf Brote und zwei Fische ist alles, was sie auftreiben können. Wenn wir das Geschehen nicht von Christus, sondern von den Jüngern her betrachten, begreifen wir ihre Unruhe - und ihr Mißbehagen, denn was tun, wenn die Begeisterung der Menge nachläßt und die Menschen sich ihrer Situation bewußt werden: hungrig, weit weg von zu Hause in einer verlassenen Gegend mitten in der Nacht?

Fühlen wir uns in schwierigen Situationen nicht ähnlich unbehaglich wie die Apostel? Hilflos, mit leeren Händen und ohne Aussicht auf eigene Mittel? Nun scheint der Herr andeuten zu wollen, daß der Mangel an eigenen Mitteln uns nicht groß kümmern muß, wenn wir nur in seiner Nähe sind. Es reicht, ihm das Wenige, das wir haben, zu geben. »Zuerst mußte der Bub die köstlichen Gaben seiner Mutter weitergeben; dann mußte jeder einzelne von dem, was gerade nur für ihn zu reichen schien, austeilen (...). Erst wer sich selber gibt, entdeckt, daß ihm alles schon geschenkt ist, daß er immer nur gibt, >de tuis donis ac datis< - von dem, was er selbst empfangen hat. Zuerst müssen wir uns selber geben, um dann Gottes Gabe zu empfangen. Am Ende kommt alles von Gott. Und doch kann Gottes Gabe uns nicht erreichen, wenn wir nicht zuerst selber Gebende geworden sind. Am Ende ist alles Gnade - denn die großen Dinge der Welt, das Leben, die Liebe, Gott - die kann man nicht machen, nur geschenkt bekommen. Und doch können wir nur dann beschenkt werden, wenn wir selbst Schenkende sind. Nur indem wir schenken, werden wir beschenkt; nur indem wir folgen, werden wir frei; nur indem wir opfern, empfangen wir, was wir durch nichts verdienen können.«5

Der Herr verschmäht nicht die dürftige Hilfe, die wir ihm anbieten können; er möchte auf dieses Wenige zurückgreifen, um es in Fülle zu verwandeln.

Wie vertraut kommt uns die Situation der überforderten Apostel vor! Christus stellt auch uns - wie damals den Aposteln - Aufgaben, für die uns oft die Mittel - die materiellen Voraussetzungen - fehlen. Zögern und zaudern wir dann, oder beflügeln uns Glaube, Gehorsam, Mut und die Bereitschaft, das Menschenmögliche zu tun?

II. Als der Herr zum ersten Male seine Jünger aussendet, tut er dies mit dem Hinweis: Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt. Von Anfang an sollen sie wissen, daß sie sich nicht auf die übliche Hilfe verlassen dürfen, denn sie begeben sich nicht an ein menschliches, sondern an ein göttliches Werk.

So machen sie sich auf den Weg. Welches Staunen muß sie dann beim Anblick der Machtzeichen, die durch sie geschehen, erfaßt haben; sie erkennen, daß nicht sie wirken, sondern jener, der sie gesandt hat. Was machen da fehlende Hilfsmittel und ihre mangelnde eigene Begabung schon aus. Ihr Wissen, Gott tut das Nötige, muß ihren Mut und ihr Vertrauen gefestigt haben.

Mut und Gottvertrauen beim apostolischen Wirken: so haben viele Heilige gehandelt. Sie haben erkannt, daß »Christus, vom Vater gesandt, Quell und Ursprung des gesamten Apostolates der Kirche ist«7.

Was können wir daraus lernen? »Bei apostolischen Unternehmen empfiehlt es sich, ist es sogar Pflicht, deine irdischen Hilfsmittel nüchtern einzuschätzen: 2 + 2 = 4.

Aber vergiß nicht, niemals, daß du glücklicherweise noch mit einem weiteren Posten rechnen mußt: Gott + 2 + 2 ... «8

Auch die erste Lesung der heutigen Messe läßt sich in diesem Sinne deuten. Der Hohe Rat der Juden berät das weitere Vorgehen gegenüber den Aposteln. Gamaliel, der Lehrer des Paulus, ergreift das Wort und erinnert an Unternehmungen, die trotz anfänglichen Schwungs am Ende scheiterten, weil sie eben nur Menschenwerk waren: Darum rate ich euch jetzt: Laßt von diesen Männern ab, und gebt sie frei; denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden; stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten; sonst werdet ihr noch als Kämpfer gegen Gott dastehen.9

Gott läßt uns nicht im Stich, wenn wir für ihn apostolisch wirken: Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?10

Dies gibt uns Sicherheit, macht uns aber auch demütig, wissend, daß das eigene Können allein wenig vermag. Paulus deutet dies an, wenn er die Korinther ermahnt: Wer ist denn Apollos? Und was ist Paulus? Ihr seid durch sie zum Glauben gekommen. Sie sind also Diener, jeder, wie der Herr es ihm gegeben hat. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen.11

Und doch wäre es vermessen, menschliche Hilfsmittel zu verschmähen, wenn Gott sie uns gewährt. Mit ihnen gibt er auch die Klugheit, sie richtig zu bewerten, ohne sie zu überschätzen.

III. Keine Vorratstasche, keine Schuhe, keinen Wanderstab sollten sie mitnehmen, damals, als sie der Herr zum erstenmal aussandte. Kurz vor seiner letzten Reise nach Jerusalem kommt der Herr auf die Anweisungen der Anfangszeit zurück. Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten? Sie antworteten: Nein. Nun kündigt sich eine neue Situation an: Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen, und ebenso die Tasche. Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen.12

Ein Schwert? Der Herr hat eine andere Situation im Blick als jene des freudigen Anfangs, da die Menschen erwartungsfroh zu ihm liefen, nach ihm suchten. In der Zeit nach Golgota werden die Zeugen Christi nicht mehr Gastfreundschaft und Dankbarkeit erfahren, sondern das Schicksal ihres Meisters, Widerspruch und Feindseligkeit, teilen. Sie werden also - immer nach Christi Art: ohne Gewalt, in Milde - kämpfen müssen: gegen äußere und innere Anfechtungen, gegen das irdische Streben nach Sicherheit, Anerkennung, ein geruhsames Leben. Als Zeugen müssen sie bereit sein, Gefahren zu erleiden, Widerspruch zu ertragen, Wagnisse einzugehen, ja, das irdische Leben preiszugeben.

Mit Pfingsten beginnt sich die Verheißung Christi zu erfüllen, daß die Jünger Zeugnis geben werden in Jerusalem, Samaria und bis an die Grenzen der Erde. Dieses »Martyrium« so das griechische Wort für »Zeugnis« wird oft zum Blutzeugnis: Stephanus ist der erste Märtyrer, Jakobus stirbt um 44 als erster der Apostel den Märtyrertod, Petrus und Paulus werden in Rom sterben, nachdem sie den christlichen Glauben ins Herz des Weltreiches getragen haben. Nun wird Rom»zum Vehikel, das Zeugnis des Glaubens bis an die Grenzen der Erde zu bringen. Neben den großen Märtyrern tragen viele uns unbekannte Christen zur Ausbreitung des Glaubens bei. Sie sterben entweder als Blutzeugen oder harren treu - auch das ein Martyrium - inmitten einer verkommenen Gesellschaft aus. Sie leben in einem Milieu, »wo das Heidnische Zugang hat zu dem Bereich familiärer, beruflicher und bürgerlicher Geborgenheit und wo der Mensch voll und ganz dem Staat angehört (...). Man kann keinen Schritt tun, ohne einer Gottheit zu begegnen. Die Schwierigkeit seiner Situation erfährt der Christ täglich.«13 Heidnische Gottheiten beäugen den Christen im Familienleben, wo die christlich gewordene Frau sich kaum dem Opfer entziehen kann, das der Familienvater, den Saum seiner Toga über den Kopf geschlagen, am Hausaltar vor versammelter Familie darbringt. »Die Geburt eines Kindes, das Anlegen der weißen Toga, Verlobung und Hochzeit - all das erfordert kultische Handlungen (...). Der Schuljunge lernt an Hand von Götternamenslisten lesen (...). Der Lehrer opfert der Minerva als der Schutzheiligen der Schule das erste Lohngeld, das er von einem christlichen Schüler empfängt (...). Wenn er ein Geschäftsmann ist und sich Geld leihen will, dann fordert der Verleiher von ihm einen Schwur im Namen der Götter (...). Wenn er eine öffentliche Aufgabe übernimmt, ist das Opfer unerläßlich.«14 Das ist die innere Bedrängnis. Viele harren in Treue aus. Manche werden schwach.

Der Apostel Paulus, der wie kaum ein anderer die Bedrängnisse des Zeugnisses um Christi willen erfahren hat, schreibt ein Wort an die Korinther, das - wenn auch in einem anderen Zusammenhang - von christlichem Selbstbewußtsein inmitten aller Anfechtungen und Anfeindungen zeugt: Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.15

6,1-15. - 9,11. - 9,12. - 6,5-7. - J.Kard.Ratzinger, Diener eurer Freude, Freiburg 1988, S.54-55. - 10,9-10. - II.Vat.Konz., Dekret Apostolicam actuositatem, 4. - J.Escrivá, , Nr.471. - 5,38-39. - 8,31. - 3,5-6. - 22,35-36. - A.Hamman, Die ersten Christen, Stuttgart 1985, S.91. - ebd., S.91-92. - 3,22.

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