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Francisco Fernández-Carvajal Hablar con Dios

OSTERZEIT
DRITTER SONNTAG

15

DER TAG des HERREN

Sabbat und Sonntag.
Heiligung des Sonntags.
Kult und Muße.

I. »Am Tag, den man Sonntag nennt, findet eine Zusammenkunft aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen. Dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es üblich ist. Hat der Vorleser aufgehört, so hält der Vorsteher eine Ansprache, worin er zur Nachahmung all dieses Guten ermahnt und auffordert. Dann stehen wir alle auf und senden Gebete empor. Und wenn das Beten beendet ist, wird Brot, Wein und Wasser herbeigebracht. Der Vorsteher spricht mit aller Kraft Gebete und Danksagungen, und das Volk stimmt ein, indem es >Amen< sagt. Darauf findet die Ausspendung und Entgegennahme (der Eucharistie) statt.= 1 Mit diesen Worten schildert Justin der Märtyrer um die Mitte des 2. Jahrhunderts eine Eucharistiefeier. Nicht mehr der jüdische Sabbat, sondern der Sonntag steht von Anfang an in der Mitte des christlichen Kults, weil - so schreibt Justin weiter - der Snntag der Tag ist, »an dem Gott (...) die Welt erschuf, und weil an diesem Tag Jesus Christus, unser Erlöser, von den Toten wieder auferstanden ist.«2

Der Sabbat war im Alten Gesetz der Tag Jahwes, eingesetzt auf dessen Befehl und durch Enthaltung von gewissen Arbeiten seiner Verherrlichung gewidmet. Neben dem humanen Aspekt - Erholung von der Arbeit - verweist der Sabbat auf die Vollendung der Schöpfung - Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er geschaffen hatte - und damit auf die heilige Ruhe Gottes, die der Mensch nachahmen soll: und er ruhte am siebten Tag. Hinzu kommt das Gedenken an die Befreiung Israels aus dem Sklavenhaus. Die Sabbatruhe wurde vom Gesetz sehr streng ausgelegt. Es war verboten, Feuer anzuzünden, Holz zu sammeln, Speisen zu bereiten.8

In der Heiligen Schrift begegnet uns eine besondere Hochschätzung des Sabbats als des von Gott festgesetzten Tages, damit das Volk ihn öffentlich und gemeinschaftlich ehrt. Jedoch hatte die rabbinische Kasuistik im Laufe der Zeit das göttliche Gebot durch zahlreiche Vorschriften verdunkelt. Wenn Jesus dies anprangert, so aus Liebe zum heiligen Tag, an dem er oft in der Synagoge predigt und auch wundertätig wirkt.

Die Sabbatruhe war wesentlich auf den Gottesdienst ausgerichtet, und deshalb fand sie ihre Krönung in der Darbringung eines Opfers. Überhaupt waren alle Festtage Israels Zeichen des Bundes mit Gott und Ausdruck der Freude, Gottes Eigentum und Gegenstand seiner liebenden Auserwählung zu sein. Jeder Festtag verwies auf ein heilshaftes Geschehen, in welchem sich die Liebe Gottes zu seinem Volk manifestierte.

Erst aus der umfassenden Perspektive des Neuen Bundes vermögen wir im Festtag des Alten Bundes mehr als ein zu ehrendes Gedächtnis zu erkennen - er ist auch die Verheißung einer kommenden Wirklichkeit, die mit der Auferstehung Jesu eintritt. Der Sonntag verweist auf die Endzeit: auf das Fest, das Jesus ankündigt, wenn er das Reich Gottes mit einem Festmahl vergleicht, das ein König zur Hochzeit seines Sohnes veranstaltet. Christus begründet den neuen Kult, der zur Vollendung führen soll: er, der neue Hohepriester, bringt ein neues Opfer dar - das Opfer, das wir jeden Sonntag feiern.

II. Nach der Auferstehung wird der erste Tag der Woche für die Christen zum dominica dies, zum Tag des Herrn11. Es ist der Tag seines Sieges über Tod und Sünde. Daher die ständige Praxis der Kirche von Anfang an, die gottesdienstliche Versammlung am Sonntag zu feiern. In der Liturgie-Konstitution des Zweiten Vatikanums heißt es dazu: »Aus apostolischer Überlieferung, die ihren Ursprung auf den Auferstehungstag Christi zurückführt, feiert die Kirche das Pascha-Mysterium jeweils am achten Tage, der deshalb mit Recht Tag des Herrn oder Herrentag genannt wird.«12

Das Gebot der Sonntagsheiligung ist also keine willkürliche Verfügung der Kirche, sondern die Konkretisierung der wesentlichen Pflicht des erlösten Geschöpfes, seinem Schöpfer und Erlöser zu huldigen. »Die Heiligung des Sonntags ist in der Schöpfungsordnung begründet und verankert. Der Mensch soll und darf an der Souveränität und Freiheit Gottes teilnehmen. Er ist nicht so wie das Tier in die Mechanismen des Lebens eingespannt. Der Mensch kann aussteigen. Er muß nicht täglich wie ein Maulwurf die Erde durchwühlen. Als Ebenbild Gottes darf er aus den Zwecken und Zwängen des Lebens wenigstens einmal in der Woche aussteigen, um an der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes teilzunehmen. Das entlastet und entsorgt ihn. Die Konstruktion von Maschinen und die Organisation von Produktionsbetrieben aber, die das nicht mehr möglich machen, stellen die Schöpfungsordnung auf den Kopf.«13

Der christliche Ur-Feiertag ist »das Fundament und der Kern des ganzen liturgischen Jahres14 Um ihn herum entfaltet sich der christliche Festkalender, der auch heute den Rhythmus des bürgerlichen Jahres prägt: Weihnachten, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, weitere Herren- und Marienfeste und - urchristlicher Tradition entsprechend - der dies natalis, der Sterbetag als Geburtstag eines Heiligen für den Himmel. »Indem sie (die Kirche) so die Mysterien der Erlösung feiert, erschließt sie die Reichtümer der Machterweise und der Verdienste ihres Herrn, so daß sie jederzeit gewissermaßen gegenwärtig gemacht werden und die Gläubigen mit ihnen in Berührung kommen und mit der Gnade des Heiles erfüllt werden.«15

Als Gedächtnis der österlichen Begegnung mit dem Herrn und als Bekräftigung, daß er in seiner Kirche präsent ist, ist der Sonntag auch die Mitte unserer christlichen Freude. Das heutige Gabengebet verweist auf sie: Allmächtiger Gott, nimm die Gaben an, die deine Kirche dir in österlicher Freude darbringt. Du hast ihr Grund gegeben zu solchem Jubel, erhalte ihr die Freude bis zur Vollendung.16

Mit anderen Worten: Es geht beim Sonntag um weit mehr als die bloße Erinnerung an ein vergangenes freudiges Geschehen, ein wichtiges Datum der Geschichte etwa, er verweist auf die Gegenwart Christi unter uns heute, aktualisiert in der heiligen Messe. Unsere Antwort geschieht bei der sonntäglichen Teilnahme an der heiligen Messe: »Wir bringen aus den Gaben, die du uns geschenkt hast, dir, dem erhabenen Gott, die reine, heilige und makellose Opfergabe dar: das Brot des Lebens und den Kelch des ewigen Heiles.«17

Alles Festliche im Zeichen des Sonntags - Kultur und Bildung, Pflege gesellschaftlicher Kontakte, festliche Kleidung und dergleichen mehr - darf das Eigentliche nicht verdunkeln: die Verherrlichung Gottes durch die Begegnung mit ihm in der Eucharistie. »Wer die entscheidende Bedeutung der Eucharistiefeier für unser eigenes christliches Leben, für unsere Familie und für das Leben der Gemeinde begriffen hat, wird verstehen, daß es sich bei der Sonntagspflicht um eine schwere Gewissenspflicht handelt. Ohne hinreichenden Grund der Eucharistiefeier fernzubleiben, ist ein Zeichen der Undankbarkeit und Gleichgültigkeit Gott gegenüber. Allzu leicht führt das Fernbleiben zum Nachlassen des Betens und zum Erkalten der Christusliebe.«18

III. Jauchzt vor Gott, alle Menschen der Erde! Spielt zum Ruhm seines Namens! Verherrlicht ihn mit Lobpreis!, heißt es im Eröffnungsvers der heutigen Messe19. Alle Menschen der Erde ... Immer hat es Bestrebungen gegeben, die Anbetung Gottes auf die Ebene des rein Privaten zurückzudrängen, als dürfte der Einzelne die Gesellschaft mit seinem Glauben nicht behelligen. Demgegenüber wissen wir Christen um das Recht und die Pflicht, Gott einen gemeinschaftlichen, öffentlichen Kult darzubringen, und sehen gerade darin einen Teil unseres christlichen Zeugnisses. »Da Gott den Menschen zu mehreren geschaffen hat, ist Sonntagsheiligung nur als gemeinsames Tun und Lassen möglich. Es geht beim Sonntag um den Menschen als Ebenbild Gottes.«20 Durch die Offentlichkeit des Kultes schaffen wir Raum für Gott in einer Welt, die ihn verdrängt, nicht unbedingt aus Feindschaft, sondern oft aus Gleichgültigkeit.

Das Sonntagsgebot verpflichtet die Gläubigen nicht nur zur Teilnahme an der heiligen Messe, »sie haben sich darüber hinaus jener Werke und Tätigkeiten zu enthalten, die den Gottesdienst, die dem Sonntag eigene Freude oder die Geist und Körper geschuldete Erholung hindern.«21 Der Staat hat dieses Recht, das jedem Staatsbürger zusteht, zu schützen. Eine »Sonntagskultur« die mehr ist als bloße Erholung von der gehabten Mühe im Blick auf die kommende Plage, kann freilich nur der einzelne entwickeln.»Die liturgischen Festtage sind besonders dazu geeignet, die Nähe Gottes eindringlicher zu erfahren. Papst Johannes Paul II. sagt in einer Predigt: »Quaerite Dominum. Suchet den Herrn. Niemals dürfen wir darin nachlassen; jedoch gibt es Zeiten, in denen diese Suche beherzter sein muß, weil in ihnen der Herr besonders nahe ist; dann wird es leichter, ihn zu finden, ihm zu begegnen. Diese Nähe ist die Antwort des Herrn auf den stetigen Ruf der Kirche, der sich in der Liturgie äußert. Mehr noch: Gerade in der Liturgie wird die Nähe des Herrn aktualisiert.«22

Spielt zum Ruhm seines Namens! »Die sonntägliche Arbeitsruhe ist nicht Selbstzweck, sondern auf höhere Werte dienend hingeordnet. Die beiden sonntäglichen Gebote der Mitfeier des heiligen Opfers und der Arbeitsruhe stehen mithin nicht gleichrangig nebeneinander. Als kultische Ruhe soll die Arbeitsruhe vielmehr die rechte Atmosphäre für die kultische Gottesverehrung schaffen.«23

Worin besteht diese »rechte Atmosphäre« Zu ihr gehört das Spielerische der Muße, die man »eins der Fundamente der abendländischen Kultur« genannt hat24. »Die innere Festlichkeit des Feiernden gehört, wie auch das unvergleichliche deutsche Wort >Feierabend< zu bedenken gibt, zum Kern dessen, was wir mit Muße meinen.«25 Die Muße ist »eine Gestalt jenes Schweigens, das eine Voraussetzung ist für das Vernehmen von Wirklichkeit: nur der Schweigende hört; und wer nicht schweigt, hört nicht. (...) Die Muße ist nicht die Haltung dessen, der eingreift, sondern dessen, der sich öffnet; nicht dessen, der zupackt, sondern dessen, der losläßt.«26 Sie macht von der Rastlosigkeit des Arbeitens um der Arbeit willen frei, bereichert uns im Menschlichen und läßt uns für das Wirken der Gnade offener werden. Sie liefert dem gemeinsamen Lob und Dank des versammelten Volkes Gottes den Hintergrund. Deshalb wäre es ein Mangel an christlichem Geist, den Sonntag als bloßes zu gestalten, als unterhaltsames Ausspannen, das für die heilige Messe keine Zeit mehr läßt.

Der Sonntag verweist auf das Ruhen Gottes nach Vollendung der Schöpfung und auf unsere Bestimmung, an der Ruhe und Freude Gottes in der endzeitlichen Erfüllung teilzuhaben. Deshalb wäre es menschenunwürdig, in der Festtagsruhe die bloße Gelegenheit zum Kräftesammeln für den Werktag durch Nichtstun und Totschlagen der Zeit zu sehen.

Mit anderen Worten: In der Mitte unserer Sonntagsruhe soll die Begegnung mit Gott stehen. Dazu können uns auch Tätigkeiten verhelfen, für die es an Werktagen kaum Raum gibt. Nicht immer ist die bequemste Art, sich zu erholen, die beste. Statt länger fernzusehen, kann man sich für die Familie mehr Zeit nehmen, Freunde besuchen, sich Alleinstehenden oder Kranken widmen. Vielleicht bietet uns der Sonntag die Gelegenheit, endlich das lang ersehnte Gespräch zu führen - mit dem Sohn oder der Tochter, mit einem Freund, mit einer Freundin. Der Sonntag wird so zu einer Herausforderung, tiefer in uns zu gehen. »In der jüdischen Spruchweisheit heißt es: >Der Sabbat hat mehr Israel gehalten als Israel den Sabbat.< Sollte auch für uns zutreffen: Der Sonntag hat mehr die Christen gehalten als die Christen den Sonntag«27?

Justin der Märtyrer, , 67. - ebd. - 2,3. - 20,8-11; 21,13; 5,14. - vgl 23,12; 5,12. - 2,2. - ebd. - vgl. 35,3; 15,32; 16,23. - vgl. 28,9-10. - vgl. 22,2-13. - 1,10. - II.Vat.Konz., Konst. Sacrosanctum Concilium, 106. - J.Kard.Meisner, Wider die Entsinnlichung des Glaubens, Graz 1991, S.49. - II.Vat.Konz., a.a.O., 106. - ebd., 102. - Gabengebet. - 1.Hochgebet. - J.Kard.Höffner, Hirtenbrief zum Familiensonntag 1985, Köln 1985, S.8. - Ps 66(65),1-2. - J.Kard.Meisner, a.a.O., S.50. - Codex Iuris Canonici, can 1247. - Johannes Paul II., Homilie 20.3.1980. - J. Kard. Höffner, Freizeit als Gabe und Aufgabe, Köln 1975, S.11. - J. Pieper, Muße und Kult, München 1965, S.13. - ebd. - ebd., S.52-53. - J.Kard.Meisner, a.a.O., S.50.

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