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Francisco Fernández-Carvajal Hablar con Dios

OSTERZEIT
7. WOCHE - SAMSTAG

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MARIA IM SCHATTEN DES HEILIGEN GEISTES

Der zweite Advent im Leben Unserer Lieben Frau.
Mariens Vertrautheit mit dem Heiligen Geist.
Mutter der Kirche.

I. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet zusammen mit den Frauen und mit Maria der Mutter Jesu1 - in Erwartung des Heiligen Geistes. Diese Stelle aus der Apostelgeschichte ist die letzte Erwähnung Mariens im Neuen Testament. »Die bildende Kunst hat es oft dargestellt: die Mutter des Herrn im Kreis der Apostel, ihr Mittelpunkt. Daß sie >einmütig im Gebet verharrten<, bedeutet nicht, daß es keinen Schlaf, keine Mahlzeiten, kein Kommen und Gehen gegeben hätte, zehn Tage und zehn Nächte lang zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Aber die Genannten kamen täglich, sicherlich mehrmals am Tage, zum gemeinsamen, vielleicht auch nächtlichen Gebet zusammen, und nicht nur sie, sondern auch eine wechselnd große.«2

Maria ist der Mittelpunkt jener betenden Gemeinschaft. Die Überlieferung erkennt darin ihre geistliche Mutterschaft über die ganze Kirche. Mit Worten von Papst Johannes Paul II.: »Die Zeit der Kirche hat begonnen mit dem >Kommen<, das heißt mit der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel, die im Abendmahlssaal von Jerusalem mit Maria, der Mutter des Herrn, versammelt waren.«3

Für Unsere Liebe Frau muß diese Zeit wie ein zweiter Advent gewesen sein - dem ersten ähnlich, und doch sehr verschieden. Beide Male finden wir Gebet und Sammlung, Glauben an die Verheißung, Sehnsucht nach ihrer Verwirklichung. Aber im ersten Advent ist Maria - mit Josef - die einzige, die die Verheißung kennt, die sich in Betlehem verwirklicht. Im Abendmahlssaal teilt sie mit den Aposteln und den frommen Frauen das Warten auf die Herabkunft des Heiligen Geistes und die Austeilung seiner Gaben in der Kirche, die bald an die Öffentlichkeit treten wird: »Maria, die Christus durch das Wirken des Heiligen Geistes empfing - die Liebe des lebendigen Gottes - steht der Geburt der Kirche zu Pfingsten vor, wenn der Heilige Geist selbst über die Apostel herabkommt und den Mystischen Leib der Christen in der Einheit und Liebe lebendig macht.«4

Wir betrachten »Maria mit ihren Gebeten die Gabe des Geistes erflehen, der sie schon bei der Verkündigung überschattet hatte«5. Sie, die einst, zu Beginn der Erlösung, uns ihren Sohn Jesus gab, ist im Abendmahlssaal jene, »die durch ihre mächtige Fürbitte erlangte, daß der schon am Kreuz geschenkte Geist des göttlichen Erlösers am Pfingsttag der neugeborenen Kirche in wunderbaren Gaben gespendet wurde«6.

Lukas stellt Maria in der Apostelgeschichte so dar, »als wolle er uns zu verstehen geben, daß Maria nicht nur bei der Menschwerdung des Wortes eine erstrangige Rolle gespielt hat, sondern daß sie ganz ähnlich auch bei den Anfängen der Kirche, die ja der Leib Christi ist, zugegen war«7.

Und die Apostel? Schon einmal hatten sie »einen Geist« erwartet, als der Herr ihnen noch nicht erschienen war, sie aber bereits vernommen hatten, er lebe. Sie erwarteten einen leiblosen, »geminderten« Jesus, nun aber erfahren sie einen von der Mächtigkeit des Geistes durchdrungenen Jesus, einen Jesus im verherrlichten Leib. Jetzt, fünfzig Tage nach Ostern, wagen sie es nicht mehr, sich den verheißenen Geist vorzustellen, sie beten um ihn. Im Schauen auf Maria stimmen sie sich auf die Ausgießung des Heiligen Geistes ein. Deswegen sind die Apostel um sie im Abendmahlssaal versammelt.

Prüfen wir, ob unsere Nähe zur Mutter Gottes in diesen Tagen - Stunden - vor Pfingsten nicht inniger sein könnte? Wahrscheinlich haben wir uns zur Vorbereitung auf das Fest konkrete Dinge vorgenommen: den Rosenkanz besser zu beten und uns seine Geheimnisse lebendiger zu vergegenwärtigen; großzügiger in den kleinen Abtötungen zu sein ... Vielleicht können uns bildliche Darstellungen Mariens - zuhause, auf Plätzen oder an Häuserfassaden - zu einem Stoßgebet anregen.

II. »Wir bestaunen einmal mehr die Güte und Weisheit der >Pädagogik< Jesu Christi, mit der er die Seinen zum Aufbau der Kirche befähigte. Hierzu gehörte zunächst, sie allmählich, sanft, in Schritten von seiner mitmenschlichen Präsenz während der letzten drei Jahre als ihr Meister, Lehrer, Bruder und Freund abzulösen. 40 Tage hindurch war er ihnen noch in himmlischer Verklärtheit, aber sinnenhaft wahrnehmbar zur Seite gewesen. Nun sollten sie ohne solche sinnenhafte Hilfsmittel auskommen lernen, ihm so innig-eng wie in der gemeinsamen Erdenzeit, ja noch viel inniger und enger, im Gebet und im Brotbrechen, in der Heiligen Eucharistie verbunden sein. Dieser >Lernprozeß< war nicht einfach. Er war sehr schwer und auch schmerzlich. (...) Wir, die wir den Herrn nicht als >unsereinen< gehört, gesehen, berührt haben und uns das auch kaum vorzustellen vermögen - wir haben Mühe, uns in die Lage der Jünger zu versetzen. Und doch brauchen wir bloß zu bedenken, wie schwer es uns fällt - und meist schafft man es ja gar nicht -, einem sehr geliebten, aufs engste verbundenen Menschen, der gestorben ist, über den Tod hinaus verbunden zu bleiben, und zwar nicht in irgendeiner mumifizierten >Einnerung<, sondern lebendig-real, in der wirklichen Gemeinschaft der Heiligen, eigentlich also noch enger als zu Lebzeiten. Gerade das aber verlangte der Herr von den Jüngern (...), erstmals die Communio sanctorum zu praktizieren (...). Das war etwas ganz Ungeheueres und nur durch die Ausgießung des Heiligen Geistes möglich.«8

Dabei stützen sich die Jünger auf Maria. Im Kreise ungeduldiger, noch unerfahrener Beter ist sie die ruhende, wissende Mitte. Das Erfahren des Geistes stand am Anfang ihrer Berufung zur Gottesmutter. Denn sie, die von Anfang an voll der Gnade war - Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir9, waren die Worte des Engels -, wurde damals einer noch tieferen Begnadung zuteil: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.10 Zusammenfassend heißt es in einem Text des Zweiten Vatikanischen Konzils: »Im Hinblick auf die Verdienste ihres Sohnes auf erhabenere Weise erlöst und mit ihm in enger und unauflöslicher Verbindung geeint, ist sie mit dieser höchsten Aufgabe und Würde beschenkt, die Mutter des Sohnes Gottes und daher die bevorzugte geliebte Tochter des Vaters und das Heiligtum des Heiligen Geistes zu sein. Durch dieses hervorragende Gnadengeschenk hat sie bei weitem den Vorrang vor allen anderen himmlischen und irdischen Kreaturen.«11

Jetzt, etwa dreißig Jahre danach im Abendmahlssaal, mag sie oft zurückgeschaut haben: Das Dunkel von damals hat sich gelichtet, aber das Geheimnis ist noch mitten in seiner Entfaltung begriffen. Noch einmal erhalten alle jene prophetischen Aussagen Konturen, in denen von einem neuen Volk, das alle Grenzen von Rasse, Raum und Zeit sprengen wird, die Rede ist. Sie weiß, daß der Augenblick einer neuen Geburt bevorsteht. In Betlehem wurde geboren, jetzt soll hier, im Abendmahlssaal, seine Kirche sichtbar werden.

Wir können uns die einzigartige Fülle, die Maria Pfingsten vom Heiligen Geist empfing, kaum vorstellen, denn dazu müßten wir uns vorstellen können, wie ihr reines Herz die Allerheiligste Dreifaltigkeit liebte. Wie intensiv muß gerade für die Mutter - »das Meisterwerk Gottes«12 -jene Verheißung des Herrn an alle, die ihn lieben, gegolten haben: wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen!13

= 12 - jene Verheißung des Herrn an alle, die ihn lieben, gegolten haben: wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen!13Der Heilige Geist, der seit dem Augenblick, da Maria ohne Erbsünde im Schoß ihrer Mutter empfangen worden war, in ihr wohnte, überschattete sie zu Pfingsten in einer neuen Weise. Alle Verheißungen des Herrn über den Helfer müssen sich in ihr voll erfüllt haben: Er wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. Und: Er wird euch in die ganze Wahrheit einführen. Zeit ihres Lebens wuchs Maria in der Liebe zu Gott dem Vater, Gott dem Sohn (ihr Sohn Jesus) und Gott dem Heiligen Geist. Sie öffnete sich ganz den Eingebungen des Geistes, und jede Entsprechung bedeutete neue Gnade. In keinem Augenblick widersetzte sie sich, niemals sagte sie nein zu Gott. Sie nahm ständig an natürlicher und übernatürlicher Tugend zu. Alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes Kein Mensch ließ sich so wie unsere Mutter vom Heiligen Geist führen und leiten, kein Mensch hat wie sie die Gotteskindschaft gelebt.

III. Alles in der Kirche, von den Anfängen bis heute, ist Werk des Heiligen Geistes: die Evangelisierung der Welt, die Bekehrungen einzelner, der Starkmut der Märtyrer, die Heiligkeit der ihr Angehörenden. Der heilige Augustinus sagt in einer Predigt: »Was die Seele in bezug auf den Körper des Menschen ist, das ist der Heilige Geist im Leib Jesu Christi, der die Kirche ist. Der Heilige Geist bewirkt in der Kirche das, was die Seele in den Gliedern des Leibes bewirkt.«17 Dies heißt: er läßt sie leben, wachsen, sich in organischer Einheit entfalten. In dieser Einheit des Ganzen leben wir das Leben Jesu Christi mit Maria, mit allen Engeln und Heiligen des Himmels, mit den Seelen im Fegefeuer und mit allen hier auf der Erde.

Der Heilige Geist ist auch das Lebensprinzip im einzelnen. Unsere guten Werke, unsere Heiligung und was dazu nötig ist - all dies ist Werk des Heiligen Geistes. Der heilige Cyrill von Jerusalem sagt in einer seiner Katechesen: »Die ganze Tätigkeit des Heiligen Geistes zielt auf das Gute und Heilsame ab. Zunächst ist sein Erscheinen milde. Wo er einkehrt, verbreitet sich Wohlgeruch. Gar leicht ist seine Last. Vor seiner Ankunft leuchten Strahlen des Lichtes und der Erkenntnis. Er kommt mit dem Herzen eines wahren Beschützers. Er kommt, um zu erlösen, zu heilen, zu lehren, zu mahnen, zu kräftigen, zu trösten, zu erleuchten, und zwar vor allem die Seele dessen, der ihn aufnimmt, und durch seine Vermittlung auch die Seelen anderer. Wie einer, der zuerst in der Finsternis war, dann plötzlich die Sonne schaute, durch die Erleuchtung des körperlichen Auges deutlich das sieht, was er zuvor nicht gesehen hatte, so schaut, wer des Heiligen Geistes gewürdigt ist, durch die Erleuchtung seiner Seele in übermenschlicher Weise das, was er nicht gewußt hatte.«18

Maria ist nach Pfingsten die Herzmitte der jungen Kirche. Der Heilige Geist hat in ihr und in den Jüngern gewirkt. Seitdem hört er niemals mehr auf zu wirken. Überall fördert er das Streben nach Heiligkeit, überall öffnet er Wege der Nachfolge Christi. Unsere Liebe Frau unterstützt dieses Wirken des Heiligen Geistes in den Seelen kraft ihrer mütterlichen Aufgabe.

Auf sie bezog sich während des Konzils Papst Paul VI., als er feierlich erklärte, daß Maria »die Mutter der Kirche« ist, das heißt »Mutter des ganzen christlichen Volkes, sowohl der Gläubigen als auch der Hirten«19. Später bekräftigte er diese Aussage noch nachdrücklicher: »Wir glauben, daß die heiligste Gottesmutter, die neue Eva, Mutter der Kirche, für die Glieder Christi ihre mütterliche Aufgabe im Himmel fortsetzt, indem sie bei der Geburt und Erziehung des göttlichen Lebens in den Seelen der Erlösten mitwirkt.«20

Morgen werden wir das Pfingstgeschehen betrachten. Wir werden merken: In dem Augenblick, da sich die Verheißung des Herrn erfüllt, zieht sich Maria zurück. Wir hören nichts mehr über sie. Sie bleibt verborgen gegenwärtig. Nun ist Petrus die sichtbare Mitte jener Gemeinde. Er und alle anderen haben von Maria gelernt.

Heilige Maria, Mutter der Kirche, hilf, daß der Geist uns und das Angesicht der Erde erneuere.

1,14. - P.Berglar, Petrus - Vom Fischer zum Stellvertreter, München 1991, S.172. - Johannes Paul II., Enz. Dominum et vivificantem, 18.5.1986, 25. - Paul VI., , 25.10.1969. - II.Vat.Konz., Konst. Lumen gentium, 59. - Pius XII., Enz. Mystici Corporis, 29.6.1943. - J.Escrivá, Christus begegnen, 141. - P.Berglar, a.a.O., S.174. - 1,28. - 1,35. - II.Vat.Konz., Konst. Lumen gentium, 53. - J.Escrivá, Freunde Gottes, 292. - 14,23. - 14,26. - 16,13. - 8,14. - Augustinus, 267. - Cyrill von Jerusalem, Katechesen, 16. - Paul VI., Ansprache an das Konzil, 21.11.1964. - Paul VI., Credo des Gottesvolkes, 30.6.1968.


 

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