JAHRESKREIS
14. WOCHE – MITTWOCH
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Geht zu Josef
Josef in
der Heilsgeschichte.
Schutzherr der Kirche.
Geht zu Josef.
I. Die Heilsgeschichte, die in Jesus Christus ihre Erfüllung erfährt, erscheint schon im Alten Testament vorgebildet, denn »Gott, der die Bücher beider Bünde inspiriert hat und ihr Urheber ist, wollte in Weisheit, daß der Neue im Alten verborgen und der Alte im Neuen erschlossen sei«1. Das Gesetz – die Heilsordnung des Alten Bundes – enthält nur einen Schatten der künftigen Güter, nicht die Gestalt der Dinge selbst2.
Dies gilt auch für Menschen, denen Gott heilsgeschichtliche Aufträge anvertraut hat. Die Gestalt des heiligen Josef, di= 1. Das Gesetz – die Heilsordnung des Alten Bundes – enthält nur einen Schatten der künftigen Güter, nicht die Gestalt der Dinge selbst2. Dies gilt auch für Menschen, denen Gott heilsgeschichtliche Aufträge anvertraut hat. Die Gestalt des heiligen Josef, de wir heute in unserer Zeit des Gebetes betrachten wollen, ist ein gutes Beispiel dafür.
Die Tradition der Kirche sieht im alttestamentlichen Josef, dem Sohn des Patriarchen Jakob, eine Ankündigung des Pflegevaters Jesu. Nicht allein der gemeinsame Name weist darauf hin, insbesondere sind es ihre Tugenden und Verhaltensweisen. Der heilige Josef »ist der Abschluß des Alten Testamentes. Er besitzt die Würde der Patriarchen und Propheten, durch ihn erhält sie (die Kirche) die verheißene Frucht. Er ist gewiß der einzige, der leibhaftig besitzen durfte, was die Güte Gottes den Patriarchen und Propheten versprochen hat.«3
Der alttestamentliche Josef und der heilige Josef, der Gatte der Gottesmutter, gelangten beide durch das geheimnisvolle Walten Gottes nach Ägypten: der eine, aus Neid von seinen Brüdern verraten und verkauft; der andere auf der Flucht vor Herodes, um den Erlöser der Welt vor den Häschern in Sicherheit zu bringen. Der Josef des Alten Testaments konnte mit Gottes Hilfe die Träume des Pharao deuten und gewann damit dessen Gunst; auch der Josef des Neuen Testaments erhielt im Traum göttliche Weisungen. Der eine wurde zum Verwalter aller Güter des Reiches und zum Retter des Volkes, als die Hungersnot über das ganze Land gekommen war: auch Fremde kamen damals nach Ägypten, um bei Josef Getreide zu kaufen; denn der Hunger wurde immer drückender auf der ganzen Erde.4 So wie Josef alle Speicher öffnete und Getreide an die Ägypter verkaufte, wurde der andere Josef »vom ewigen Vater erwählt als treuer Ernährer und Behüter seiner höchsten Schätze: seines Sohnes und der Braut Josefs«5. Als das Volk zum Pharao nach Brot schrie, schickte dieser die Notleidenden zu Josef. Geht zu Josef! Tut, was er euch sagt.
Wenn heute das Gut des Glaubens vielerorts verschmäht wird oder in Vergessenheit gerät, andererseits viele Menschen – bewußt oder unbewußt – nach Glauben und Lebenssinn hungern, nach Geborgenheit und Gottesnähe, empfiehlt die Kirche, zu dem zu gehen, der Haupt und Beschützer der heiligen Familie war und heute Patron der Kirche ist: Geht zu Josef! »Dieser Schutz muß erfleht werden; die Kirche braucht ihn immer noch, nicht nur zur Verteidigung gegen die aufkommenden Gefahren, sondern auch und vor allem zur Stärkung ihrer erneuten Anstrengung für die Evangelisierung der Welt und für die Neuevangelisierung in jenen Ländern und Nationen, (…) in denen früher Religion und christliches Leben blühten (…) und die nun eine harte Probe durchmachen.«6
II. Seht, das ist der treue und kluge Hausvater, dem der Herr seine Familie anvertraut, damit er für sie sorge.7 Mit Worten, die auf eine Stelle des Evangeliums anspielen, werden wir in die Liturgie der Josefsmesse eingeführt. Seine Familie – das sind wir alle, das ist die Kirche, die große Familie des Herrn. Es gehört zur Nachfolge Christi, wenn wir bei Josef Fürbitte für die große Familie Gottes einlegen. Denn Jesus selbst wird sich oft an ihn gewandt haben, damals, in der kleinen Familie von Nazaret. Er wird als Kind von ihm und von Maria die ersten Worte gelernt, unter ihrer Anleitung die ersten Erfahrungen gesammelt haben; und der jugendliche Jesus wird ein gelehriger Schüler Josefs im Erlernen eines Handwerks gewesen sein.
In jener Familie von Nazaret lebte keimhaft die Kirche wie der Baum im Samen. Unser Gebet zu ihm darf deswegen nicht bei unseren persönlichen Anliegen stehen bleiben, es muß vielmehr die Anliegen der ganzen Kirche im Blick behalten. Denn es ist logisch, »daß ihm die Gesamtheit der Christen auf besondere Weise anbefohlen ist: die ganze Christenheit oder die Kirche, das heißt jene gewaltige Familie, die über den ganzen Erdkreis zerstreut ist. Als Gemahl der Jungfrau Maria und als Vater Jesu Christi ist er der Kirche gegenüber gleichsam mit väterlicher Vollmacht ausgestattet. Mithin erweist es sich als folgerichtig und seiner Stellung gemäß, daß der heilige Josef heute noch der Kirche Jesu Christi seinen himmlischen Schutz angedeihen lasse, wie er einst für die Bedürfnisse der heiligen Familie von Nazaret aufkam und sie fortwährend mit gewissenhafter Obsorge umhegte.«8
Viele Heilige haben sich an den heiligen Josef gewandt. Die große Theresia von Avila geht im Buch ihres Lebens sehr ausführlich auf ihre Verehrung des Heiligen ein, weil sie ihre guten Erfahrungen weitergeben will. Hören wir also, was sie zu sagen hat: »Zu meinem Fürsprecher und Herrn erwählte ich den glorreichen heiligen Josef und empfahl mich ihm recht inständig. Und in der Tat, ich habe klar erkannt, daß dieser mein Vater und Herr es gewesen, der mich sowohl aus meiner damaligen Not als auch aus anderen noch größeren Nöten, die meine Ehre und das Heil meiner Seele betrafen, gerettet und mir sogar mehr noch verschafft hat, als ich zu bitten gewußt. Ich erinnere mich nicht, ihn bis jetzt um etwas gebeten zu haben, was er mir nicht gewährt hätte. Ja, es ist zum Erstaunen, welch große Gnaden mir Gott durch die Vermittlung dieses glückseligen Heiligen verliehen und aus wie vielen Gefahren des Leibes und der Seele er mich durch ihn befreit hat. Anderen Heiligen scheint der Herr die Gnade gegeben zu haben, nur in einem bestimmten Anliegen helfen zu können; diesen glorreichen Heiligen aber habe ich in allen Stücken als Nothelfer kennengelernt. Der Herr will uns ohne Zweifel zeigen, daß er ihm im Himmel alles gewähre, was er von ihm begehrt, nachdem er ihm auf Erden als seinem Nähr- und Pflegevater, der das Recht hatte, zu befehlen, untertänig gewesen war. (…) Ich möchte jedermann zureden, diesen glorreichen Heiligen zu verehren, weil ich aus vieler Erfahrung weiß, wie viele Gnaden er bei Gott erlangt. Niemals habe ich jemanden kennengelernt, der eine wahre Andacht zu ihm trug und durch besondere Übung ihm diente, an dem ich nicht auch einen größeren Fortschritt in der Tugend wahrgenommen hätte; denn er fördert die Seelen, die sich ihm anempfehlen, gar sehr. Soviel ich glaube, flehe ich ihn schon seit einigen Jahren jedesmal an seinem Festtage um eine besondere Gnade an, und immer sehe ich meine Bitte erfüllt. Ist dieselbe nicht ganz rechter Art, so lenkt er sie zu etwas Besserem für mich.
Wäre ich eine Person, deren Schriften ein Ansehen hätten, so wollte ich gern die Gnaden, die dieser glorreiche Heilige mir und anderen Personen schon erwiesen hat, im einzelnen recht umständlich erzählen. (…) Wer immer meinen Worten nicht glauben will, den bitte ich um der Liebe Gottes willen, einen Versuch zu machen; er wird dann erfahren, welch großen Nutzen es bringt, wenn man sich diesem glorreichen Patriarchen empfiehlt und ihn mit Andacht verehrt. Insbesondere sollten jene, die dem innerlichen Gebete ergeben sind, ihm allzeit in Liebe zugetan sein; denn ich weiß nicht, wie man sich der Königin der Engel erinnern und jener Zeit gedenken kann, in der sie mit dem Kinde Jesus so vieles ausgestanden, ohne dem heiligen Josef für die Wohltat des Beistandes, den er ihnen geleistet hat, Dank zu erstatten. Wer etwa keinen Lehrmeister zur Unterweisung in der Übung des innerlichen Gebetes findet, der wähle sich als solchen diesen glorreichen Heiligen, und er wird keinen Irrweg gehen.«9
III. »Mit der Menschwerdung Gottes werden die >Verheißungen< und die >Gestalten< des Alten Testaments >Wirklichkeit<: Orte, Personen, Ereignisse und Bräuche verflechten sich nach genauen göttlichen Anordnungen, die von dem Engel überbracht und von Geschöpfen, die für die Stimme Gottes besonders empfänglich sind, aufgenommen werden. (...) Josef ist der, den Gott dazu auserwählt hat, >die Geburt Jesu zu regeln<, dem aufgetragen ist, für die >geordnete< Eingliederung des Gottessohnes in die Welt, unter Beachtung der göttlichen Verfügungen und der menschlichen Gesetze, zu sorgen.«10
Was lehrt uns der heilige Josef heute über das Christsein und über die christliche Berufung? Er war ein Mann der Tat. »Das Leben Mariens war die äußerste Erfüllung jenes ersten fiat, das sie bei der Verkündigung gesprochen hatte, während Josef (…) bei seiner >Verkündigung< kein Wort hervorbrachte: er tat einfach, >was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte< (Mt 1,24). Und dieses erste >Tun< wurde der Anfang von >Josefs Weg<. Entlang dieses Weges berichten die Evangelisten nicht ein Wort, das von Josef gesprochen worden wäre.«11 Ein Mann der Tat also, der schweigen und deshalb zuhören konnte. Alles, was er still vollbrachte, wurzelte in seinem Gebetsleben, in seiner Verbundenheit mit Gott. In einer Zeit, da es manchmal schwerfällt, zwischen sinnvollem Tun und aktivistischem Leerlauf zu unterscheiden, ist Josef Vorbild des gottverbundenen, verantwortlichen, entschiedenen Handelns in schwierigen Situationen. Wenn das Tun in der Kontemplation verankert ist, dann gelingt das aufmerksame Hinhören auf Gott. Wessen Leben im Gebet verwurzelt ist, der weiß, welche Taten gefordert und welche nur Ausflucht sind. Die Bitte an den heiligen Josef, er möge uns das Handeln zur rechten Zeit lehren, schließt die tiefere Bitte ein, er möge uns den richtigen Umgang mit Jesus lehren. »Du, heiliger Josef, unser Vater und Herr, ganz keusch und ganz rein: du bist gewürdigt worden, das Kind Jesus auf deinen Armen zu tragen, es zu schützen, es zu pflegen, es zu umarmen: Lehre uns den rechten Umgang mit Gott, hilf uns, rein zu sein, mache uns würdig, ein anderer Christus zu werden.
Hilf uns auch – wie Christus den Menschen -, die verborgenen und zugleich lichten Wege Gottes zu erschließen; ihnen zu sagen, daß sie hier auf Erden die Möglichkeit haben, fortwährend eine ungeahnte spirituelle Kraft zu entfalten.«12
Auch wenn unsere Welt ganz anders aussieht als die Welt von Nazaret zur Zeit des heiligen Josef, hat sich eines doch nicht geändert und wird sich niemals ändern, weil es zum Innersten im Menschen gehört: die Sehnsucht nach der Nähe zu Gott. Hier bleibt Josef ein nachahmenswertes Vorbild: »Ein Lehrmeister des inneren Lebens, ein Arbeiter, der mit Verantwortung sein Werk tut, ein treuer Diener Gottes im steten Umgang mit Jesus: das ist Josef. Ite ad Joseph. Denn vom ihm lernt der Christ, was es heißt, ganz für Gott und ganz für die Menschen da zu sein, die Welt zu heiligen. Geht zu Josef und ihr werdet Jesus finden. Geht zu Josef und ihr werdet Maria finden, die jene liebenswerte Werkstatt in Nazaret mit Frieden erfüllte.«13
1 II. Vat. Konz., Konst. Dei Verbum, 16. – 2 Hebr 10,1. – 3 Bernhardin von Siena, 2. Predigt Über den heiligen Josef. – 4 Gen 41,55-57. – 5 Bernhardin von Siena, a.a.O. – 6 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Redemptoris Custos, 15.8.1989, 28. – 7 Eröffnungsvers vom Hochfest des hl. Josef. – 8 Leo XIII., Enz. Quamquam pluries. – 9 Theresia von Avila, Leben, 6,7-8. – 10 Johannes Paul II, a.a.O., 8. – 11 ebd., 17. – 12 J. Escrivá, Im Feuer der Schmiede, Nr. 553. – 13 J. Escrivá, Christus begegnen, 56.
