Meditationen fŘr jeden Tag, Francisco Fernßndez Carvajal

Francisco F. Carvajal's Webseite


Donnerstag, den 30. M´┐Żrz 2017 


Meditationen fŘr jeden Tag
Drucken - Massenmesswerte

FASTENZEIT
4. WOCHE - MITTWOCH

29

EINHEIT DES LEBENS

Einheit des Lebens: Salz der Erde und Licht der Welt sein.
Dazu beitragen, da├č die Dinge der Sch├Âpfung zu Gott f├╝hren. Das Wirken eines Christen in der Gesellschaft.
Fr├Âmmigkeits├╝bungen sollen uns nicht von der Welt abschotten, sondern den Umgang mit Gott vertiefen, damit wir in der Welt Zeugnis geben k├Ânnen.

I. Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde.1 Christus kam als Licht in die Welt, damit die Menschen nicht in der Finsternis verharren m├╝ssen2. Die ganze Sch├Âpfung - in diesem Licht Gottes gesehen - ist f├╝r den Menschen Weg zu Gott. Doch: Das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfa├čt.3

Auch heute sind diese Worte aktuell. In weiten Teilen der Welt kennt man die Botschaft Christi noch nicht, oder sie wird einfach ignoriert. Viele leben im dunkeln, haltlos, weil ohne Orientierung.

Einer der Gr├╝nde daf├╝r ist bei vielen Menschen das Auseinanderklaffen von Leben und Glauben. Arbeit, Studium, Betrieb, Forschung, Freizeit gelten f├╝r sie als ┬╗die reale Welt┬ź Da ist der Glaube dann nur noch eine Art Schn├Ârkel. Ohne das Licht der Offenbarung aber entraten die irdischen Gegebenheiten ihres tieferen Sinnes. Die Welt wird dann zum Selbstzweck, sie verliert den Bezug zu ihrem Sch├Âpfer Gott. Vor allem in der westl┬╗chen Welt hat sich diese Mentalit├Ąt ausgebreitet. ┬╗Durch sie drohen viele f├╝r Christus und f├╝r die Kirche verloren zu gehen; leider verbreitet sich von diesen L├Ąndern aus wie Unkraut ein Neuheidentum in der ganzen Welt. Es ist gekennzeichnet durch die zwanghafte Suche nach materiellem Wohlstand und die damit einhergehende Verdr├Ąngung all dessen, was Leid bedeutet, ja man k├Ânnte sogar von einer panischen Angst vor ihm sprechen. Aus dieser Einstellung werden Worte wie Gott, S├╝nde, Kreuz, Abt├Âtung, ewiges Leben vielen Menschen unverst├Ąndlich, weil sie weder deren Sinn noch deren Inhalt kennen.

Ihr selbst seid Zeugen der Tatsache, da├č viele Gott zun├Ąchst in Kleinigkeiten aus ihrem pers├Ânlichen, famili├Ąren oder beruflichen Leben ausklammern; da Gott aber ein Liebender ist, der bittet und fordert, werfen sie ihn schlie├člich - wie einen Eindringling - auch aus der Gesetzgebung und dem Leben der V├Âlker hinaus. L├Ącherlich und anma├čend wollen sie an seine Stelle das armselige Gesch├Âpf setzen, das - auf Bauch, Sex und Geld reduziert - seine ├╝bernat├╝rliche und menschliche W├╝rde eingeb├╝├čt hat - ich ├╝bertreibe nicht, man kann es doch allerorten sehen.┬ź4

Damit die Menschen erkennen, da├č die Welt von Gott erschaffen und deshalb nicht von ihm weg, sondern zu ihm hinf├╝hrt, m├╝ssen die Christen sich der Tatsache, da├č das menschliche Leben eine untrennbare Einheit bildet, ganz neu bewu├čt werden. Ein J├╝nger Christi - ein Laie zumal - sucht ja nicht die Absonderung von den irdischen Dingen. Er lebt mitten in der Welt, und er versteht sich darin als Sauerteig. Ein ├╝berzeugter Christ wirkt durch sein Zeugnis, das er in der Erf├╝llung seiner t├Ąglichen Aufgaben gibt, wie das Salz, das Geschmack verleiht und vor F├Ąulnis sch├╝tzt. ┬╗Wenn wir Christen wirklich nach unserem Glauben lebten, k├Ąme es zu der umw├Ąlzendsten Revolution aller Zeiten ... Jeder einzelne von uns hat am Werk der Erl├Âsung mitzuwirken. - Denke dar├╝ber nach!┬ź5

II. Alles Geschaffene steht nach dem Willen Gottes im Dienst des Menschen. Die S├╝nde - der Hochmut unserer Stammeltern - zerst├Ârte die gottgewollte Harmonie der Sch├Âpfung. Von nun an war der Verstand getr├╝bt und irrtumsanf├Ąllig, der Wille geschw├Ącht und die Freiheit, das Gute zu wollen, zwar nicht aufgehoben, aber doch vermindert. Der Mensch wurde tief verwundet. Auch die Natur tr├Ągt dieses Mal: ┬╗Wenn der Mensch vom Plane Gottes, des Sch├Âpfers, abweicht, verursacht er eine Unordnung, die sich unausweichlich auf die ├╝brige Sch├Âpfung auswirkt.┬ź6

Die Welt ist als Gottes Sch├Âpfung gut; aber seit dem S├╝ndenfall k├Ânnen die Dinge dieser Welt mi├čbraucht werden. ┬╗Die S├╝nde des Menschen, das hei├čt sein Bruch mit Gott, ist die letzte Ursache f├╝r die Trag├Âdien, welche die Geschichte der Freiheit begleiten.┬ź7 Aus dem gottgewollten Zusammenhang herausgel├Âst, verkommen die geschaffenen Wirklichkeiten sehr bald zu Blendwerk und f├╝hren auf Irrwege.

In seiner unendlichen G├╝te erl├Âste uns Gott von der S├╝nde. Durch Jesus Christus hat er uns mit sich vers├Âhnt, so da├č wir uns Kinder Gottes nennen d├╝rfen. Und wir sind es8, zur Gemeinschaft mit ihm im Himmel berufen.

Welche Aufgabe der Christen, dazu beizutragen, da├č alle Wege dieser Erde wieder zu Gott f├╝hren! ┬╗Wir m├╝ssen alle Bereiche der Gesellschaft mit dem christlichen Geist durchtr├Ąnken. Aber es darf nicht bei einem allgemeinen Wunsch bleiben: jeder mu├č dort, wo er arbeitet, seinem Tun den gottgewollten Sinn verleihen und sich darum bem├╝hen - durch Gebet, durch Abt├Âtung, durch gut getane Arbeit -, sich selbst und andere Menschen in der Wahrheit Christi zu formen, damit er als Herr allen menschlichen Tuns verk├╝ndet wird.┬ź9

III. Der Herr hat uns Christen die Aufgabe anvertraut, die Gesellschaft aus christlichem Geist zu beleben, damit ihre Strukturen und Einrichtungen dem Menschen wirklich dienen k├Ânnen. Aber unser Wirken in der Gesellschaft w├Ąre ohne die innere Spannkraft, die aus einem pers├Ânlichen Umgang mit Gott erw├Ąchst, unfruchtbar. Unsere Fr├Âmmigkeit mu├č deshalb einerseits sehr ┬╗pers├Ânlich┬ź sein, andererseits aber darf sie uns niemals von der Umwelt abschotten, mit der wir es tagt├Ąglich zu tun haben. Sie darf sich nicht verselbst├Ąndigen, sondern mu├č in unseren Alltag eingebettet sein. In ihr kann sich die Sehnsucht nach Gott besonders innig und tief entfalten, so da├č hernach die Aufgaben des Tages aus der Kraft dieser Augenblicke leben. Wer sich in der Welt heiligen will, wird also nicht blo├č sein Fr├Âmmigkeitsleben pflegen, er wird gleichzeitig versuchen, es in das Ganze seines Lebens so einzubinden, da├č es ihn Gott nahe sein l├Ą├čt. ┬╗Dies wird dich, fast wie von selbst, zum beschaulichen Leben f├╝hren. Aus deiner Seele werden dann Sto├čgebete, geistige Kommunionen, Akte der Liebe, des Dankes und der S├╝hne viel reicher hervorgehen, und zwar w├Ąhrend der Zeit, die du der Erf├╝llung deiner Pflichten widmest: beim Telefonieren, beim Einsteigen in ein Verkehrsmittel, beim Schlie├čen oder ├ľffnen einer T├╝r, im Vorbeigehen an einer Kirche, zu Beginn einer neuen Arbeit, w├Ąhrenddessen, und sp├Ąter, wenn du sie abschlie├čt t┬ź10.

Das ist jene Einheit des Lebens, in welcher sich individuelle Fr├Âmmigkeit und gesellschaftliche Verantwortung gegenseitig befruchten. Die Arbeit und die Alltagspflichten sind dann kein Hindernis f├╝r den Umgang mit Gott, gerade in ihnen k├Ânnen die Tugenden gedeihen und sich bew├Ąhren. Aus der Kraft des pers├Ânlichen Gebetes bem├╝hen wir uns um eine gute Arbeit, und diese Arbeit tr├Ągt zum Wohl der Mitmenschen bei. Aber wir wissen, da├č unser Bem├╝hen nur dann fruchtbar werden kann, wenn wir uns dem Wirken des Heiligen Geistes ├Âffnen: ┬╗Non est abbreviata manus Domini, der Arm Gottes ist nicht k├╝rzer geworden (Jes 59,1): Gott hat heute nicht weniger Macht als in fr├╝heren Zeiten, er liebt die Menschen nicht weniger als damals. Unser Glaube lehrt uns, da├č die ganze Sch├Âpfung, das Kreisen der Erde und der Gestirne, das gute Streben des Menschen und der Fortschritt in der Geschichte, da├č alles von Gott kommt und auf ihn hinzielt┬ź11.

Wir wollen den Heiligen Geist um Licht bitten, damit wir immer besser erkennen, da├č die Welt - Gottes Sch├Âpfung - der Ort ist, an dem wir Salz und Licht sein sollen.

1 Kommunionvers. Joh 3,17. - 2 vgl. Joh 8,12. - 3 Joh 1,5.- 4 A. del Portillo, Hirtenbrief, 25.12.1985, 4. - 5 J. Escriv├í, Die Spur des S├Ąmanns, Nr. 945. - 6 Johannes Paul II, Botschaft zur Feier des Weltfriedenstages 1990, 8.12.1989, 5. - 7 Instruktion der Kongregation f├╝r die Glaubenslehre ├╝ber die christliche Freiheit und die Befreiung, 22.3.1986, 37. - 8 vgl. 1 Joh 3,1. - 9 A. del Portillo, Hirtenbrief, 25.12.1985, 10. - 10 J. Escriv├í, Freunde Gottes, 149. - 11 J. Escriv├í, Christus begegnen, 130.



Webmaster mail; Languages: Deutsch English Español Français Italiano Latviešu Nederlands Polski Português Slovenčina Русский