Meditationen fŘr jeden Tag, Francisco Fernßndez Carvajal

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Mittwoch, den 24. Mai 2017 


Meditationen fŘr jeden Tag
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OSTERZEIT
6. WOCHE - MITTWOCH

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FR├ťCHTE DES APOSTOLATS

Das Zeugnis des Paulus in Athen.
Aussaat und Ernte. Geduld: die Tugend des S├Ąmanns.
Die Frau als Tr├Ągerin der Evangelisierung.

I. Die Lesung der heiligen Messe zeigt uns, wie lebendig und ansprechend der heilige Paulus die Frohbotschaft Menschen verk├╝ndet, die ganz au├čerhalb des Glaubens leben, die der Verfasser der Apostelgeschichte so charakterisiert: Alle Athener und die Fremden dort taten nichts lieber, als die letzten Neuigkeiten zu erz├Ąhlen oder zu h├Âren.1 Paulus war sich sicher, da├č die Lehre, die er auf dem Areopag von Athen verk├╝ndet, die Athener schockieren w├╝rde; dennoch spart er die grundlegenden Wahrheiten nicht aus, versucht nicht, sich soweit ┬╗anzupassen┬ź da├č er auf Kosten der Lehre ┬╗verst├Ąndlicher┬ź┬╗erfolgreicher┬ź ┬╗zeitgem├Ą├čer┬ź erscheint. Als sie von der Auferstehung der Toten h├Ârten, spotteten die einen, andere aber sagten: Dar├╝ber wollen wir dich ein andermal h├Âren.2 Aber Paulus verl├Ą├čt nicht der Mut.

Was bewegte den Apostel? Papst Benedikt XV. fa├čte in einer Enzyklika 1917 die Grundhaltung des Apostels so zusammen: ┬╗Dahin wirken, da├č Jesus Christus unter den Menschen mehr und mehr bekannt sei, und zwar dank einer Kenntnis, die nicht nur auf den Glauben, sondern auf das Leben abzielte, das ist es, wof├╝r er die ganze Kraft seines Apostelherzens einsetzte. Deshalb handelte er von allen Glaubenswahrheiten und Sittengeboten Christi, selbst von den anspruchsvolleren; und zwar sprach er ohne die geringste Zur├╝ckhaltung und Abschw├Ąchung von der Demut, der Selbstverleugnung, der Keuschheit, der Geringsch├Ątzung irdischer G├╝ter, vom Gehorsam, von der Nachsicht gegen├╝ber den Feinden und von ├Ąhnlichen Gegenst├Ąnden. Und er scheute sich auch nicht, offen auszusprechen, da├č man zwischen Gott und Belial seinen Dienstherrn w├Ąhlen m├╝sse, und da├č es unm├Âglich sei, beiden zu dienen; da├č alle nach dem Tod ein strenges Gericht zu erwarten haben; da├č es bei Gott keine Abfindung gibt; da├č entweder das ewige Leben in Aussicht stehe f├╝r jene, die das ganze Gesetz beobachten, oder die ewige Verdammung zu gew├Ąrtigen sei, wenn man aus Nachgiebigkeit gegen├╝ber den Leidenschaften die Pflicht vernachl├Ąssige. Und niemals glaubte >der Prediger der Wahrheit< Gegenst├Ąnde dieser Art ├╝bergehen zu m├╝ssen, weil sie angesichts des damaligen Sittenzerfalls seinen Zuh├Ârern allzu hart erscheinen konnten.┬ź3

Wer von Christus Zeugnis gibt, mu├č damit rechnen, als unzeitgem├Ą├č besp├Âttelt zu werden. Die M├╝he, gegen den Strom zu schwimmen, und der Stachel der Erfolglosigkeit k├Ânnten ihn dazu verleiten, das Fordernde der Heilsbotschaft zu verharmlosen und Begriffe wie S├╝hne, Opfer und Abt├Âtung auszusparen, auf Gerechtigkeitssinn im Gesch├Ąftsleben und im Beruf zu pfeifen, das Offensein der Eheleute f├╝r das Kind und den Wert der standesgem├Ą├čen Keuschheit zu verschweigen. Aber: ┬╗Verschreibt denn ein Arzt seinem Patienten nutzlose Heilmittel, weil dieser die nutzbringenden verabscheut?┬ź4

Unsere heutige Welt zeigt ein gewandeltes Wertebewu├čtsein und eine wachsende Gleichg├╝ltigkeit gegen├╝ber Glauben und Kirche. Deshalb ist gerade heute ein unerschrockenes und gewinnendes Zeugnis besonders n├Âtig. ┬╗F├╝r den modernen Menschen kreist sehr vieles um das eigene Ich und seine Betroffenheit. Den Zeitgenossen scheint dies ganz normal zu sein, und doch ist eine solche Sicht keineswegs selbstverst├Ąndlich. In der Bibel ist der einzelne in seiner Situation zwar durchaus auch angesprochen. Aber das wandernde Volk Gottes braucht im Gang der Zeiten auch das verl├Ą├čliche Glaubensbekenntnis der Kirche. Dieses mu├č gewi├č immer wieder neu ausgelegt und frisch ├╝bersetzt werden, aber man darf es nicht mit dem Argument beiseite schieben, es entspr├Ąche nicht mehr den heutigen Lebenserfahrungen und Bed├╝rfnissen. Ohne Bekenntnis und Lehre gibt es keine Kirche. Das >Credo< der Kirche war ├╝ber fast zwei Jahrtausende ein unentbehrlicher Wegweiser und Ma├čstab - wie d├╝rften wir uns einbilden, darauf verzichten zu k├Ânnen?┬ź5

In einem Text des Zweiten Vatikanischen Konzils hei├čt es: ┬╗Allen Christen ist also die ehrenvolle Last auferlegt, mitzuwirken, da├č die g├Âttliche Heilsbotschaft ├╝berall auf Erden von allen Menschen erkannt und angenommen wird.┬ź6 Unser apostolisches Bem├╝hen mu├č sich zuallererst an jene richten, die in unserer N├Ąhe sind.

II. Paulus verlie├č Athen in Richtung Korinth, eine nicht minder schwierige Stadt, ┬╗eine Weltstadt ersten Ranges, von internationaler Pr├Ągung, mit reichen Verkehrs- und Handelseinrichtungen, wirtschaftlich wie kulturell Austauschplatz zwischen Osten und Westen, eine Stadt der Lebesucht, der Laster, der sozialen Gegens├Ątze┬ź7. Er soll erfahren, da├č der Herr die Arbeit fruchtbar werden l├Ą├čt, wann und wie er will. Der Kommunionvers der heutigen Messe erinnert uns daran: Ich habe euch erw├Ąhlt und euch dazu bestimmt, da├č ihr euch aufmacht und Frucht bringt, und da├č eure Frucht bleibt.8

Die apostolische Aufgabe ist manchmal Aussaat - das Korn in die Erde senken, ungeachtet seines Verschwindens -, manchmal Ernte: es zeigen sich die Fr├╝chte. Vielleicht haben andere den Samen ausgestreut: durch ihr Wort oder ihr Leiden vom Krankenbett aus oder mit einem unscheinbaren Dienst. Wie auch immer, es gilt, sich an die Worte des Herrn zu erinnern, da├č sich der S├Ąmann und der Schnitter gemeinsam freuen. Denn hier hat das Sprichwort recht: Einer s├Ąt, und ein anderer erntet.9

Gerade dann, wenn die eigene Arbeit unfruchtbar zu sein scheint, sollten uns diese Worte des Herrn froh stimmen - die Freude jener ahnend, die einmal die Ernte einfahren werden. Freilich, leicht ist es nicht, unsere landl├Ąufigen Ma├čst├Ąbe abzulegen und der Versuchung zu widerstehen, den Wert unserer Bem├╝hungen an greifbaren Ergebnissen zu messen. Aus der Kraft des Gebetes aber kann es uns gelingen, auch hier dem Herrn zu vertrauen und weitsichtig den Samen auszustreuen.

┬╗Unsere Sendung ist immer und ├╝berall auf die Zukunft ausgerichtet. Sei es auf die Zukunft, deren wir im Glauben gewi├č sind: also die eschatologische; sei es auf die Zukunft, die, menschlich gesehen, unsicher ist. Denken wir an jene, die als erste den europ├Ąischen Kontinent als K├╝nder der Frohbotschaft betreten haben, wie Petrus und Paulus. Denken wir an jene, die im Lauf der Geschichte Europas die Wege zu neuen V├Âlkern geebnet haben, die Augustinus oder Bonifatius oder das Br├╝derpaar aus Saloniki: Cyrillus und Methodius. Nicht einmal sie waren der menschlichen Zukunft ihrer Mission und ihres eigenen Schicksals sicher. M├Ąchtiger aber als diese menschliche Ungewi├čheit waren Glaube und Hoffnung. M├Ąchtiger war die Liebe Christi, die sie >dr├Ąngte< (vgl. 2 Kor 5,14). In diesem Glauben, dieser Hoffnung und dieser Liebe tat sich das Wirken des Geistes kund: Auch wir m├╝ssen zu gef├╝gigen und wirksamen Werkzeugen seines Wirkens in unserer Zeit werden!┬ź10

Wenn ausbleibender sichtbarer Erfolg uns resignieren l├Ą├čt, zeugt das oft von mangelnder Lauterkeit der Absicht. Wollen wir f├╝r den Herrn arbeiten, oder suchen wir nur die eigene Selbstbest├Ątigung? Doch nicht nur Resignation, auch ├ťbereilung kann zur Versuchung werden. Warum denn warten, bis die Bl├╝te sich ├Âffnet, statt nachzuhelfen? Nicht nur S├Ąen und Pflegen ist unsere Aufgabe, sondern auch geduldiges Wartenk├Ânnen, mit langem Atem, den Menschen Zeit lassend. Der Herr versteht es, Tage, Wochen, Monate, Jahre auf den inneren Ruck, die Umkehr des S├╝nders zu warten. Die Seelen brauchen Zeit, die zu bemessen wir nicht in der Lage sind. K├╝mmern wir uns also um eine gute Aussaat und warten wir in Geduld.

III. Der Predigt des Paulus w├Ąhrend seines Aufenthalts in Athen verdankt sich die erste christliche Gemeinde in jener Stadt: Einige M├Ąnner aber schlossen sich ihnen an und wurden gl├Ąubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, au├čerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen.11

Wir kennen den Namen der Frau, die sich zum Glauben bekehrte: Damaris. Sie ist eine der zahlreichen Frauengestalten, die uns in der Apostelgeschichte begegnen und zeigen, da├č die Verk├╝ndigung des Evangeliums allen gilt. Wie der Herr, so verk├╝ndeten die Apostel - trotz der Vorurteile ihrer Zeit - die Frohe Botschaft allen, M├Ąnnern wie Frauen.

Auch am Anfang der Evangelisierung Europas stand eine Frau, wie Lukas uns ├╝berliefert. Von Lydia wissen wir, da├č sie eine Purpurh├Ąndlerin aus der Stadt Thyatira12 war: Der Herr ├Âffnete ihr das Herz, so da├č sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte. Sie gewann alle, die zu ihrem Haus geh├Ârten, f├╝r den Glauben. Einst hatte die Samariterin, die am Brunnen von Sychar die Botschaft Christi h├Ârte, sie als erste unter den Bewohnern ihrer Stadt verbreitet.13

Das Evangelium zeigt uns, wie treu Frauen dem Herrn folgten und dienten. Sie stehen unter dem Kreuz, sie sind die ersten, die zum Grab gehen und die Kunde von der Auferstehung weitergeben. Paulus lobt ausdr├╝cklich einige Frauen f├╝r ihre Mitarbeit beim Werk der Evangelisierung.

Damals wie heute spielt die Frau eine wichtige Rolle bei der Bewahrung und Weitergabe des Glaubens. ┬╗Die Frau ist dazu berufen, in Familie, Gesellschaft und Kirche etwas hineinzutragen, das nur ihr eigen ist und das nur sie zu geben vermag: feinf├╝hlige Umsicht, unerm├╝dliche Gro├čz├╝gigkeit, Liebe f├╝r das Konkrete, Scharfsinn, Einf├╝hlungsverm├Âgen, Ausdauer und eine tiefe, schlichte Fr├Âmmigkeit.┬ź14

Das Engagement und das Zeugnis der Frau sind f├╝r die Kirche unersetzlich. Denn ┬╗auf der Grundlage des ewigen Planes Gottes ist die Frau diejenige, in der die Ordnung der Liebe in der geschaffenen Welt der Personen das Erdreich f├╝r ihr erstes Wurzelfassen findet. (...) Die W├╝rde der Frau ist eng verbunden mit der Liebe, die sie gerade in ihrer Weiblichkeit empf├Ąngt, und ebenso mit der Liebe, die sie ihrerseits schenkt. So wird die Wahrheit ├╝ber die Person und ├╝ber die Liebe best├Ątigt.┬ź15

Maria ist uns auch hier Wegweisung. Die Mariens├Ąule, die 1638 in der furchtbaren Bedr├Ąngnis des Drei├čigj├Ąhrigen Krieges im Herzen M├╝nchens errichtet wurde, ┬╗sollte nicht nur die Mitte dieser Stadt sein, sondern die Mitte des ganzen Landes, und in der Tat werden noch heute alle Entfernungen bei uns von diesem Punkt aus gemessen; Maria ist der stille Mittelpunkt aller unserer Stra├čen geblieben.

Das Bild der Mutter des Herrn geh├Ârt zur Herzmitte der europ├Ąischen Kultur. Es geh├Ârt zur Herzmitte unseres Glaubens. Vor der Mutter verstehen wir uns alle; vor ihr erkennen wir uns alle als Kinder. Von ihr lernen wir Vertrauen; mit ihr lernen wir glauben und beten.┬ź16 Von ihr erbitten wir, sie m├Âge in unseren Familien, in der Gesellschaft, in der Kirche Leitstern unseres Weges zu ihrem Sohn bleiben.

1 Apg 17,21. - 2 Apg 17,32. - 3 Benedikt XV., Enz. Humani generis, 15.6.1917. - 4 ebd. - 5 K.Lehmann, Hirtenwort zur ├ľsterlichen Bu├čzeit 1992, 4.3.92. - 6 II.Vat.Konz., Dekret Apostolicam actuositatem, 3. - 7 Echter-Bibel, Die Apostelgeschichte, W├╝rzburg 1951, S.68. - 8 Joh 15,16. - 9 Joh 4,36-37. - 10 Johannes Paul II., Predigt, 20.6.1979. - 11 Apg 17,34. - 12 Apg 16,14. - 13 vgl. Joh 4,1ff.. - 14 Gespr├Ąche mit Msgr.Escriv├í de Balaguer, 87. - 15 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Mulieris dignitatem, 15.8.1988, 29-30. - 16 J.Kard.Ratzinger, Christlicher Glaube und Europa, M├╝nchen 1981, S.17.



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