Meditationen fŘr jeden Tag, Francisco Fernßndez Carvajal

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Mittwoch, den 24. Mai 2017 


Meditationen fŘr jeden Tag
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CHRISTI HIMMELFAHRT

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JESUS ERWARTET UNS IM HIMMEL

Der verherrlichte Herr in seiner Vollendung.
Sein Fortgehen zum Vater st├Ąrkt unsere Hoffnung.
Als J├╝nger Christi in die Welt gesandt.

I. Der Herr erhob seine H├Ąnde und segnete sie. Und w├Ąhrend er sie segnete, verlie├č er sie und wurde zum Himmel emporgehoben1. Die segnenden H├Ąnde sind die letzte Geste, das letzte sichtbare Zeichen Jesu auf Erden. Matth├Ąus erg├Ąnzt: als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder2 - vor ihrem Meister und Gott. Nun sind die J├╝nger jeglichen Zweifels enthoben: jener, dem sie als Rabbi gefolgt waren, ist der Messias. R├╝ckblickend staunen und freuen sie sich bei dem Gedanken, da├č ihr Herr und Gott ihnen immer ganz nahe war - auch zu Zeiten schwachen Glaubens. W├Ąhrend der vierzig Tage, in denen sich der Auferstandene immer wieder zeigte, hat sich ihre Zeugenschaft gefestigt, aber erst durch die Herabkunft des Heiligen Geistes wird sie unersch├╝tterlich werden.

Jesu Worte sind nun mehr als die lebenserf├╝llte Belehrung des Meisters; jetzt spricht der souver├Ąne Gott zu ihnen: Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden3. Er ├╝bertr├Ągt seine g├Âttliche Vollmacht auf jene, die er zur Fortsetzung des Heilswerkes um sich gesammelt hat. Sie werden im Taufsakrament neues Leben schenken, im Sakrament der Beichte S├╝nden vergeben. Christi g├Âttliche Vollmacht lebt in der Kirche fort. Leo der Gro├če sagt in einer Predigt zum heutigen Festtag: ┬╗Was also an unserem Erl├Âser sichtbar war, ist ├╝bergegangen in die Sakramente. Damit unser Glaube verdienstlicher und fester w├╝rde, ist an die Stelle der >sinnlichen Wahrnehmung< die >Lehre< getreten, deren gewichtigem Worte die von himmlischen Strahlen erleuchteten Herzen der Gl├Ąubigen folgen sollen.┬ź4 Jesus k├╝ndigt dies mit Worten an, die wir in der ersten Lesung der Messe h├Âren: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem, in ganz Jad├Ąa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.

Dann hei├čt es: Als er dies gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.5 ┬╗Der Vorgang der >Himmelfahrt< wird im Passiv dargestellt. (...) Das Geschehen ist also als eine Machttat Gottes geschildert, der Jesus in den Raum seiner N├Ąhe einbezieht, nicht als eine Flugreise nach oben. Das Bild der Wolke, das in diese Richtung zu weisen scheint, ist in Wahrheit ein uraltes Bild alttestamentlicher Kulttheologie: Zeichen der Verborgenheit Gottes, der gerade in seiner Verborgenheit der Nahe und der M├Ąchtige ist, der allzeit ├╝ber uns und dennoch immerfort in unserer Mitte ist, der sich all unserem Greifen- und Verf├╝genwollen entzieht und eben darin ├╝ber uns alle verf├╝gt. Durch dieses Bild der Wolke wird die Erz├Ąhlung von der Himmelfahrt eingef├╝gt in die ganze Geschichte Gottes mit Israel, beginnend mit der Wolke am Sinai und ├╝ber dem Bundeszelt in der W├╝ste bis zu der lichten Wolke, die auf dem Berg der Verkl├Ąrung die N├Ąhe Gottes verk├╝ndete.┬ź6

Die Himmelfahrt des Herrn f├╝gt sich als letztes Geschehen seines Lebens auf Erden in das Ganze des erl├Âsenden ├Âsterlichen Geheimnisses von Leiden, Tod und Auferstehung ein. Jene, die Zeugen der Schmach des Leidens und der Erniedrigung des Kreuzes geworden waren, werden nun zu Zeugen seiner Erh├Âhung eingedenk der Worte, die er einst zu ihnen gesprochen hatte: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.7 Und ebenso: Ich bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.8

In einer Betrachtung zum zweiten Geheimnis des glorreichen Rosenkranzes hei├čt es beim seligen Josemar├şa Escriv├í: ┬╗Jesus ist wieder beim Vater. - Zwei Engel in wei├čen Gew├Ąndern n├Ąhern sich uns und sagen: Ihr M├Ąnner von Galil├Ąa, was steht ihr da und schaut zum Himmel hinauf? (Apg 1,9)

Petrus und die anderen kehren nach Jerusalem zur├╝ck - >cum gaudio magno<, mit gro├čer Freude (Apg 24,52). - Es ist nur gerecht, da├č der heiligen Menschheit Christi von dem ganzen Chor der Engel und all den Scharen der Seligen im Himmel Huldigungen und Jubelrufe und Anbetung entgegengebracht werden.┬ź9

II. Papst Leo der Gro├če sagt in der bereits zitierten Predigt weiter: ┬╗Heute begehen und feiern wir mit Recht den Tag, an dem Christus unsere niedrige Natur ├╝ber alle himmlischen Heerscharen, ├╝ber alle Ch├Âre der Engel und alle ihre erhabenen M├Ąchte auf den Thron seines Vaters emporhob. Unserer Festigung, unserer F├Ârderung diente diese Aufeinanderfolge der Taten des Herrn. Es sollte sich die Wirksamkeit der g├Âttlichen Gnade in noch wunderbarerem Lichte offenbaren, wenn dem Blick des Menschen entzogen wird, was notwendig Ehrfurcht erwecken mu├č, und trotzdem der Glaube nicht versagt, die Hoffnung nicht wankt und die Liebe nicht erkaltet. Denn darin zeigt sich die St├Ąrke gro├čer Geister, darin die Erleuchtung gl├Ąubiger Seelen, da├č sie bereitwillig f├╝r wahr halten, was sie nicht mit k├Ârperlichem Auge sehen, da├č sie dorthin ihr Sehnen richten, wohin ihr Blick nicht zu dringen vermag.┬ź10

Der Aufstieg des Herrn, die Erh├Âhung des Herrn - dies die eigentliche liturgische Bezeichnung des heutigen Festes - st├Ąrkt unsere Hoffnung. Denn Jesus, so beten wir in der Pr├Ąfation, kehrt zum Vater heim, nicht um uns Menschen zu verlassen, er gibt den Gliedern seines Leibes die Hoffnung, ihm dorthin zu folgen, wohin er als erster vorausging11. Der Herr ┬╗tritt aus der Geschichte hinaus, in den Bereich der Vollendung, wo weder Geschehen noch Schicksal mehr ist, sondern nur ewig-lebendes Sein. Er geht fort - und ist zugleich in einer neuen Weise da, wie er selbst gesagt hat: >Ich gehe fort und komme zu euch< (Joh 14,28). Von diesem wiedergekommenen Christus redet Paulus: Er sitzt im Himmel zur Rechten des Vaters - ist aber auch in uns, und wir in ihm. Er ist in der Ewigkeit - aber auch, nach neuer Weise, in der Zeit, in der Innerlichkeit des Werdens.┬ź12 Im Werden der Zeit hilft er uns, zu ihm zu gelangen, indem wir seinen verherrlichten Leib mit den Zeichen des heilbringenden Leidens betrachten.

Die Hoffnung auf den Himmel pr├Ągt unseren irdischen Weg. Es ist der Weg, den die Apostel nach der Himmelfahrt gingen: ┬╗Sie wurden so in ihrem Glauben gef├Ârdert, da├č f├╝r sie alles, was ihnen vorher Furcht eingefl├Â├čt hatte, nunmehr ein Grund zur Freude wurde. All ihre Blicke waren jetzt zu dem emporgerichtet, der als Gott zur Rechten des Vaters thront. Nicht mehr hinderte sie die Schranke ihres leiblichen Auges, den in ihrem Geiste zu schauen, der sich weder durch sein Herniedersteigen zur Erde vom Vater entfernt, noch durch seinen Aufstieg zum Himmel von seinen J├╝ngern getrennt hatte.┬ź13

Hatte er nicht gesagt: Ich gehe, um einen Platz f├╝r euch vorzubereiten?14 ┬╗Christus erwartet uns. La├čt uns bereits jetzt wie B├╝rger des Himmels leben (Phil 3,20), indem wir vollkommen als B├╝rger der Erde leben inmitten von Schwierigkeiten, Ungerechtigkeit und Unverst├Ąndnis, aber auch inmitten der Freude und Gelassenheit, die aus dem Wissen kommt, da├č Gott uns als seine Kinder liebt.

Wenn aber trotz allem die Himmelfahrt des Herrn in unserem Herzen einen Nachgeschmack von Bitternis und Traurigkeit zur├╝cklassen sollte, dann wollen wir uns an seine Mutter wenden wie damals die Apostel: Sie kehrten nach Jerusalem zur├╝ck (...) und verharrten einm├╝tig im Gebet (...) mit Maria, der Mutter Jesu (Apg 1, 12-14).┬ź15

III. W├Ąhrend sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen pl├Âtzlich zwei M├Ąnner in wei├čen Gew├Ąndern bei ihnen und sagten: Ihr M├Ąnner von Galil├Ąa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.16

┬╗Auch wir verharren, wie die Apostel, halb staunend, halb traurig, weil er uns zur├╝ckl├Ą├čt. Denn es ist wahrhaftig nicht leicht, sich an die leibliche Abwesenheit Jesu zu gew├Âhnen. Mich bewegt der Gedanke, da├č er, in einer Gro├čtat der Liebe, gegangen und doch geblieben ist: Er ist in den Himmel aufgefahren, und er schenkt sich uns als Nahrung in der heiligen Hostie. Aber wir vermissen sein menschliches Wort, seine Art zu handeln, zu blicken, zu l├Ącheln und Gutes zu tun. Gern w├╝rden wir ihn noch einmal ganz aus der N├Ąhe betrachten, wie er sich m├╝de vom anstrengenden Weg am Brunnen niedersetzt (vgl. Joh 4,6), wie er um Lazarus weint (vgl. Joh 11,35), wie er lange im Gebet verweilt (vgl. Lk 6,12), wie er sich der Volksmenge erbarmt (vgl. Mt 15,32; Mk 8,2).┬ź17

Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Das Wort der Engel klingt wie eine liebevolle Mahnung: Kehrt zur├╝ck zu eurem Alltag, nehmt die gro├če Aufgabe in Angriff, die auf euch wartet, die Zeit dr├Ąngt. ┬╗Sie sollten nicht in die Zukunft starren, nicht gr├╝belnd warten auf die Stunde seiner Wiederkunft. Nein, sie sollten erkennen, da├č er gar nicht aufh├Âre, immerfort anwesend zu sein, ja, durch sie immer mehr anwesend werden wollte: Die Gabe des Geistes und die Aufgabe des Zeugnisses, der Verk├╝ndigung, der Mission sind die Weise, wie Christus jetzt schon anwesend ist.┬ź18

Mit der Himmelfahrt ist das Werk Christi auf Erden vollendet. Nun beginnt unsere Zeit: die Zeit der Kirche, der Mission. Da werden die Worte, die der Herr an den Vater f├╝r uns richtete, zum eigenen Gebet: Ich bitte nicht, da├č du sie aus der Welt nimmst, sondern, da├č du sie vor dem B├Âsen bewahrst.19 Der Herr will uns nicht herausnehmen aus unserem Milieu, aus unserer Arbeit, aus unserer Familie. Ja, er will, da├č wir vor Ort bleiben und ├╝berall seinem Wort den Boden bereiten. Dann werden - zumindest dort, wo Christus durch uns wirken kann - Menschenw├╝rde, Gerechtigkeit, Frieden kein utopischer Traum bleiben.

┬╗Das heutige Fest erinnert uns daran, da├č der Eifer f├╝r die Seelen ein liebenswertes Gebot des Herrn ist, der uns bei seiner Himmelfahrt in die ganze Welt hinaussendet. Unsere Verantwortung ist gro├č; denn Zeuge Christi sein erfordert vor allem, nach seiner Lehre zu leben, uns anzustrengen, da├č unser Verhalten Christus erkennen l├Ą├čt und an seine liebenswerte Gestalt erinnert.┬ź20

Jesus geht, aber er bleibt uns ganz nahe, besonders in der Eucharistie. Vielleicht ist ganz nahe bei unserem Arbeitsplatz, gleich um die Ecke, eine Kirche - und Christus dort im Tabernakel gegenw├Ąrtig. Und wenn es die konkreten Umst├Ąnde nicht zulassen sollten, ihn dort aufzusuchen, k├Ânnen wir uns ihm zumindest mit dem Herzen n├Ąhern und ihn bitten, er m├Âge unsere Sendung in der Welt segnen.

Christi Himmelfahrt! ┬╗Der Herr sitzt zur Rechten des Vaters; aller Wandelbarkeit der Geschichte entr├╝ckt; im stillen, wartenden Triumph, der einst in den offenbaren, die Welt ersch├╝tternden Sieg des Gerichtes ausbrechen wird. Zugleich aber ist er aufs neue bei uns Menschen; an den Wurzeln alles Geschehens; im Innersten jedes Glaubenden; in Innersten des gl├Ąubigen Gesamt, der Kirche; als Gestalt, Macht, F├╝hrung und Einheit. Indem er den allgemeinen geschichtlichen Raum des offenen Dastehens verl├Ą├čt, bildet sich im Heiligen Geist der neue christliche Raum: die Innerlichkeit des glaubenden Einzelnen und der Kirche, wechselseitig bezogen und eins.┬ź21 Und es bildet sich der Raum unserer Sendung in der Welt. Die Apostel kehrten in gro├čer Freude nach Jerusalem zur├╝ck22. Dort verharrten sie im Gebet, vereint mit Maria, in Erwartung der Kraft des Heiligen Geistes.

1 Lk 24, 50-51. - 2 Mt 28,17. - 3 Mt 28,18. - 4 Leo der Gro├če, Predigt 74. - 5 Apg 1,8-9. - 6 J.Kard.Ratzinger, Dogma und Verk├╝ndigung, M├╝nchen 1973, S.362-363. - 7 Joh 20,17. - 8 Joh 17,11. - 9 J.Escriv├í, Der Rosenkranz, 2. glorreiches Geheimnis. - 10 Leo der Gro├če, a.a.O. - 11 Pr├Ąfation von Christi Himmelfahrt I. - 12 R.Guardini, Der Herr, W├╝rzburg 1951, S.508. - 13 Leo der Gro├če, a.a.O. - 14 Joh 14,2. - 15 J.Escriv├í, Christus begegnen, 126. - 16 Apg 1,10-11. - 17 J.Escriv├í, a.a.O., 117. - 18 J.Kard. Ratzinger, a.a.O., S.364. - 19 Joh 17,15. - 20 J.Escriv├í, a.a.O., 122. - 21 R.Guardini, a.a.O., S.511. - 22 Lk 24,52.



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