Meditationen fŁr jeden Tag, Francisco FernŠndez Carvajal

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Donnerstag, den 30. MÔŅĹrz 2017 


Meditationen fŁr jeden Tag
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FASTENZEIT
4. WOCHE - FREITAG

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CHRISTUS IM KRANKEN UND IN DER KRANKHEIT ERKENNEN

Jesu Nähe zu den Kranken.
Die Krankheit als Teilhabe am Leiden Christi.
Das Sakrament der Krankensalbung.

I. Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Leiden hatten, zu Jesus. Er legte jedem Kranken die Hände auf und heilte alle.1

Am Abend, als die Sonne untergegangen war ...2 Wahrscheinlich meint der Evangelist den Abend des Sabbats. Mit dem Sonnenuntergang beginnt der neue Tag und h√∂rt die Sabbatruhe auf. Die Leute beeilen sich, ihre Kranken zu Jesus zu bringen: Die ganze Stadt war vor der Haust√ľr versammelt3, hei√üt es bei Markus.

Der Evangelist Lukas vers√§umt es nicht, auf die ganz konkrete Art hinzuweisen, wie Jesus sich jedem einzelnen zuwendet: Er legte jedem Kranken die H√§nde auf. Jeder einzelne Mensch ist dem Herrn wichtig. Aber sein mitf√ľhlendes und erbarmendes Herz ist jenen besonders nahe, die leiden.

Betrachten wir, wie Jesus durch die St√§dte und D√∂rfer zog. Was wollte er? Er verk√ľndete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden4; und als die Menschen sahen, da√ü Stumme pl√∂tzlich redeten, Kr√ľppel gesund wurden, Lahme gehen und Blinde sehen konnten, waren sie erstaunt und priesen den Gott Israels.5

¬ĽBei seinem messianischen Wirken in Israel hat Christus sich fortw√§hrend dem menschlichen Leiden zugewandt. >Er zog umher und tat Gutes< (Apg 10,38), das betraf in erster Linie die Leidenden und solche, die auf Hilfe warteten. Er heilte die Kranken, tr√∂stete die Trauernden, speiste die Hungernden, befreite die Menschen vom b√∂sen Geist, von Taubheit und Blindheit, vom Aussatz und von anderen k√∂rperlichen Gebrechen; dreimal gab er Toten das Leben zur√ľck. Jedes menschliche Leiden, das des Leibes wie das der Seele, ber√ľhrte ihn. Dabei lehrte er zur gleichen Zeit, und im Mittelpunkt seiner Unterweisung stehen die acht Seligpreisungen, die sich an die Menschen richten, welche im irdischen Leben von verschiedenen Leiden heimgesucht werden.¬ę6

Treue in der Nachfolge des Herrn schlie√üt die N√§he zu den Kranken ein. Der Umgang mit ihnen kann in uns Ehrfurcht, Zuwendung, Barmherzigkeit wecken. Sie besuchen und ihnen unsere Zeit schenken, unsere Anteilnahme durch kleine Gef√§lligkeiten bekr√§ftigen, daf√ľr sorgen, da√ü sie die Sakramente empfangen k√∂nnen - das alles ist die konkrete Art und Weise, wie wir im Kranken Christus begegnen. ¬ĽKind. - Kranker. - Seid ihr nicht versucht, diese Worte ganz in gro√üen Buchstaben zu schreiben? F√ľr einen in ihn verliebten Menschen sind die Kinder und die Kranken wirklich er.¬ę7

Manchmal erfahren wir die Krankheit am eigenen Leib, manchmal bei Menschen, die uns nahestehen, oder bei Fremden, mit denen wir in Ber√ľhrung kommen. Jedesmal k√∂nnen wir - im Licht des Glaubens - erfahren, was es hei√üt, uns eines Schatzes anzunehmen, mit dem Gott uns unerwartet konfrontiert. Der Umgang mit den Kranken und Leidenden l√§√üt in uns das Wort des Herrn nachklingen: Was ihr f√ľr einen meiner geringsten Br√ľder getan habt, das habt ihr mir getan.8

II. Eine Krankheit, aus Liebe zu Gott ertragen, heiligt uns und kommt dem Apostolat zugute, denn sie läßt uns am erlösenden Kreuz Christi teilhaben.

Der k√∂rperliche Schmerz kann das Mittel sein, dessen Gott sich bedient, um Schuld und Unvollkommenheiten zu l√§utern. Er vereint uns mit dem leidenden Christus und gibt uns Gelegenheit, bewu√üter bestimmte Tugenden zu √ľben. Doch Kranksein will gelernt werden. Zuallererst geht es um die Annahme der Krankheit: mit W√ľrde, ohne St√∂hnen und Tragik,  ohne Trotz. ¬ĽEs kann geschehen, da√ü wir w√§hrend der Krankheit unseren Mitmenschen auf die Nerven gehen: >Ich werde nicht richtig versorgt, keiner k√ľmmert sich um mich, ich verdiene eine bessere Behandlung, keiner versteht mich ...< Der Teufel ist immer auf der Lauer und greift uns von den verschiedensten Seiten an. Seine Taktik w√§hrend der Krankheit besteht darin, da√ü er in uns eine Art Psychose ausl√∂sen m√∂chte, damit wir uns von Gott abwenden, unsere Umgebung vergiften und den Schatz der Verdienste zunichte machen, den sich, zum Wohl aller Seelen, derjenige erwirbt, der den Schmerz mit √ľbernat√ľrlichem Optimismus - mit Liebe - tr√§gt. Geraten wir nach dem Willen Gottes in die Netze der Drangsal, dann seht darin ein Zeichen, da√ü er uns f√ľr reif genug h√§lt, damit wir uns noch enger seinem erl√∂senden Kreuz verbinden.¬ę9

Paulus sagt in seinem Brief an die Kolosser, da√ü er in seinem irdischen Leben erg√§nzt, was an den Leiden Christi noch fehlt10. Johannes Paul II. erl√§utert diese Worte folgenderma√üen: ¬ĽDas Leiden Christi hat das Gut der Erl√∂sung der Welt erwirkt. Dieses Gut ist in sich unersch√∂pflich und grenzenlos. Kein Mensch vermag ihm etwas hinzuzuf√ľgen. Zugleich jedoch hat Christus im Geheimnis der Kirche als seines Leibes gewisserma√üen sein Erl√∂serleiden jedem anderen Leiden des Menschen ge√∂ffnet. Insofern der Mensch - an jedem Ort der Welt und in jeder Zeit der Geschichte - an den Leiden Christi teilhat, erg√§nzt er auf seine Weise jenes Leiden, durch das Christus die Erl√∂sung der Welt vollbracht hat hat¬ę11.

Vor allem in der Krankheit m√ľssen wir Christi N√§he suchen. Je gr√∂√üer das Leiden, um so st√§rker mu√ü die Liebe sein, und Gott wird uns dazu die n√∂tige Gnade schenken. Unter dem Kreuz Christi werden wir zu Miterl√∂sern und erfahren dabei die l√§uternde Kraft seines Leidens: ¬ĽIn dem Erl√∂serleiden, durch das sich die Erl√∂sung der Welt vollzog, hat sich Christus von Anfang an jedem menschlichen Leiden ge√∂ffnet und √∂ffnet sich ihm noch st√§ndig. Ja, es scheint zum Wesen selbst des erl√∂senden Leidens Christi zu geh√∂ren, da√ü es fortw√§hrend erg√§nzt werden will.¬ę12

III. Er sandte sie aus mit dem Auftrag, das Reich Gottes zu verk√ľnden und zu heilen. (...) Die Zw√∂lf machten sich auf den Weg und wanderten von Dorf zu Dorf. Sie verk√ľndeten das Evangelium und heilten √ľberall die Kranken.13 Die Apostelgeschichte und die Apostelbriefe bezeugen die Sorge der ersten Christen um ihre Kranken. In der Krankensalbung nimmt diese Zuwendung die sichtbare Gestalt des Sakramentes an: ¬ĽBei Markus (Mk 6,13) ist sie angedeutet und durch den Apostel Jakobus, den Bruder des Herrn, den Gl√§ubigen empfohlen und verk√ľndet worden. Er sagt: Ist einer von euch krank? Dann rufe er die √Ąltesten der Gemeinde zu sich: Sie sollen √ľber ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit √Ėl salben. Das Gebet aus dem Glauben wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er S√ľnden begangen hat, werden sie ihm vergeben (Jak 5, 14f.) .¬ę14 Dieses Sakrament ¬Ľgew√§hrt dem Kranken die Gnade des Heiligen Geistes, durch die der ganze Mensch Hilfe zum Heil erf√§hrt: Er wird gest√ľtzt im Vertrauen auf Gott und gest√§rkt gegen√ľber den Versuchungen des B√∂sen und der Angst vor dem Tod. So wird er instand gesetzt, das √úbel der Krankheit tapfer zu ertragen, ja sogar dagegen anzuk√§mpfen und die Gesundheit wiederzuerlangen, wenn dies seinem geistlichen Heil dienlich ist.¬ę15

Es ist angebracht, dieses Sakrament mit einer vorherigen Beichte zu verbinden. Falls jedoch der Empfang der Beichte unm√∂glich ist (etwa bei Bewu√ütlosigkeit nach einem Unfall), vermag die Krankensalbung auch allein die schweren S√ľnden zu tilgen, wenn der Kranke sie vorher bereut hatte.

Ebenso st√§rkt die Krankensalbung die Seele gegen Versuchungen in der schweren Not. Der Kranke wird auf die endg√ľltige Begegnung mit Gott, dem Vater und Sch√∂pfer, vorbereitet. Dies vermag die Ergebenheit in den g√∂ttlichen Willen und dadurch den inneren Frieden zu st√§rken. Christus, der Bezwinger der S√ľnde, bezwingt auch deren Folge, die Krankheit. Die Krankensalbung kann deshalb ¬Ľals eine Art Weihesakrament der christlichen Lebensvollendung gedeutet¬ę16 werden.

Die Kirche empfiehlt daher, da√ü Schwerkranke und alte Menschen dieses Sakrament rechtzeitig empfangen. Seine Spendung aus falscher menschlicher R√ľcksicht hinauszuschieben ist f√ľr den Kranken keine Hilfe, es ist nur Feigheit der ihm Nahestehenden. Wie bedauerlich, wenn dadurch jemand in der entscheidenden Stunde seines Lebens dieser Hilfe verlustig ginge. Die Kranken f√ľr die Krankensalbung empf√§nglich zu machen ist Zeichen aufrichtiger, starker Liebe, manchmal auch ein Gebot der Gerechtigkeit.

Die Fastenzeit f√ľhrt uns hin zu dem entscheidenden Augenblick, in welchem Leid und Schmerz unseres Herrn sich in seinem Tod vollenden. Er tr√§gt unser Leiden - auch unser Todesleiden. Er ist uns - gerade jetzt - besonders nahe. Und ebenso nahe ist uns seine heilige Mutter. ¬ĽBitte f√ľr uns S√ľnder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.¬ę

1 Lk 4,40. - 2 Mk 1,32. - 3 Mk 1,33. - 4 Mt 9,35. - 5 Mt 15,31. - 6 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Salvifici doloris, 11.11.1984, 16. - 7 J. Escriv√°, Der Weg, Nr. 419. - 8 Mt 25,40. - 9 J. Escriv√°, Freunde Gottes, 124. - 10 vgl. Kol 1,24. - 11 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Salvifici doloris, 11.11.1984, 24. - 12 ebd. - 13 Lk 9,2.6. - 14 Konzil von Trient, DS 1695, 1716. - 15 Die Feier der Krankensakramente, Pastorale Einf√ľhrung Nr. 6. - 16 ebd., Einf√ľhrungswort S.22.



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